Theatergottesdienst

In Zusammenarbeit mit dem Theater der Keller

In der Mitte des Gottesdienstes gibt es eine halbstündige Aufführung aus einem Theaterstück des Theaters der Keller. Der erste Theatergottesdienst fand am 21. September 2014 statt. Musik und Liturgie des Gottesdienstes greifen das Thema der Szene auf. Pfarrer Hans Mörrter erläutert: "Die Zusammenarbeit von Theater und Kirche liegt nahe. Beide fragen nach den Existentialen des Menschseins, konfrontieren, fragen, suchen, setzen sich der Wirklichkeit aus und öffnen darin neue Zugänge zum Leben, zur eigenen Verortung in einer verstörenden Welt. In allem: Wir sind Menschen mit unseren Fragen nach Wahrhaftigkeit, nach dem, was gilt und der Herausforderung zu sein."

In den ganz frühen Anfängen wurde „Theater“ als schamanisches Werkzeug genutzt. Die ersten Schauspieler waren Priester oder Schamanen, die ihren Stämme Erfahrungen schildern wollten, die eigentlich nicht vermittelbar sind. Wenn sie die Herkunft ihres Stammes erklärten oder eine Vision für dessen Zukunft hatten, verschlüsselten sie diese deshalb in Form einer mythischen Erzählung und stellten sie dann anschaulich dar. So konnte ihr Stamm zumindest partiell an ihrem spirituellen Wissen teilhaben. Auch die Mysterienschulen in der griechischen Antike benutzen Drama sowie Archetypen und förderten die Schauspielerei als Instrument für Menschen, ihr Potenzial zu entwickeln. Die Mysterienspiele, besonders bekannt sind die des Mittelalters, hatten spirituelle Inhalte, ganz berühmt sind die christlichen Mysterien- oder Passionsspiele.

Religion und Theater gehören also ganz eng zusammen. Vier Schauspieler des Theaters der Keller stellten beim ersten Theatergottesdienst Ausschnitte aus dem Programm „Vierzig Leben“ vor, das auf dem gleichnamigen Buch von Navid Kermani basiert. Sabine Wolf und Philipp Sebastian agierten von der Empore aus, Matthias Lühn nahm die Treppen zum Altar für sich ein und Mark Zak agierte zunächst vom Publikum aus. So nutzten sie den Kirchraum als Spielstätte sehr gut aus und improvisierten das Zusammenspiel miteinander innerhalb der gegebenen Räumlichkeit.

Es trug dann sehr zur Erheiterung bei, dass Matthias Lühn als fiktiver Anwalt ausgerechnet in einer Kirche von einem Fall erzählte, dass ein Mann seine Eltern verklagen wollte. Sie hätten die Fahrlässigkeit begangen, ihn in die Welt gesetzt zu haben. Den Schauspielern gelang es sowohl Heiterkeit als auch den Schmerz an der Welt zu evozieren und die erstickende Routine unseres Alltags.

Pfarrer Hans Mörtter sagte, dass er den Autor Navid Kermani, der iranischer Abstammung ist und in Köln lebt, sehr mag. „Ich schätze seine filigranen Gedanken. Kermani wirft die Frage auf, ob das Leben lebenswert ist und ob es eine Rettung vor Leid und Einsamkeit gibt. Er schreibt: 'Wir sind nicht nichts', ja klar, weil wir eine Geschichte haben. Es geht um Sehnsucht und um Liebe und in der Geschichte vom Geschenk des unverdienten Glücks kann sich jeder wieder finden.“

Mehr zum Theatergottesdienst "Vierzig Leben"

Text und Fotos: Helga Fitzner

Erster Theatergottesdienst mit dem Theater der Keller mit Szenen aus

Mark Zak, Philipp Sebastian, Hans Mörtter, Matthias Lühn, Heinz Simon Keller

Erster Theatergottesdienst mit dem Theater der Keller mit Szenen aus

Heinz Simon Keller, Sabine Wolf, Mark Zak. Philipp Sebastian, Matthias Lühn