Ferenc Németh

Saxophonist und vieles mehr

Ferenc Nemeth, Saxophonist, Foto: urheberrechtlich geschützt

Wer sich mit Ferenc Németh unterhält, fragt sich bereits nach kurzer Zeit: „Was ist dieser Mann eigentlich? Musiker, Philosoph, Dichter oder Psychologe?“ Eine eindeutige Antwort auf diese Frage zu geben, fällt schwer. Denn zweifellos ist Feri, wie er von allen nur genannt wird, ein begnadeter Musiker, der seinem Saxophon Töne entlockt, die aus anderen Sphären zu kommen scheinen. Beinahe überirdische und doch sehr lebendige, ausdrucksstarke Klänge, die das Kunststück vollbringen, nicht nur dem Ohr zu schmeicheln, sondern auch im tiefsten Inneren der Hörer seine und auch ihre ureigenen Melodien erklingen zu lassen. Ebenso zweifellos jedoch spricht aus jedem


seiner Worte eine unglaubliche, nachdenklich machende und faszinierende Lebensklugheit. 

„Musik ist mein Leben, ich bin Musik. Ich versuche, das Leben zu spielen, meine Seele, meine Gefühle, ich gebe alles, das ist ganz wichtig. Wenn ich spiele, versetze ich mich in einen Zustand, in dem ich total aus mir selbst schöpfe, aus dem, was in mir ist. Nur so kann ich ausdrücken, was ich will. Ich entwickele eine Improvisation, kreiere die Musik, aber der Klang inspiriert mich auch wieder.“

Von Kindesbeinen an lernte Ferenc Németh Klavier zu spielen, pflegte schon bald ein Faible für den Jazz, dem er sich auch heute noch verschrieben hat. Neben dem traditionellen Jazz à la Louis Armstrong oder Count Basie, den er virtuos interpretiert, spielt er auf Konzerten aber auch seine eigenen Kompositionen.

Beim Menschensinfonieorchester – MSO - allerdings, dem er seit 2008 angehört, reiht er sich nahtlos in das große Ensemble ein. „Als Musiker“, so Feri, „ist es für mich wichtig, gesellschaftspolitisches Engagement zu zeigen, für andere Menschen etwas zu machen. Es war vielleicht kein Zufall, dass ich im Radio einen Bericht über das MSO gehört habe. Ich wusste sofort: das ist genau das Richtige für mich, da mache ich mit!“ Das MSO, in dem obdachlose und nicht obdachlose Musikerinnen gemeinsam spielen, gibt ihm Impulse und Emotionen. „All die guten Musiker geben mir das, was ich brauche, um fliegen zu können. Ich gehe ab wie eine Rakete!“

Feris Landungen sind sanft. Vielleicht hilft ihm dabei sogar, dass er aufgrund einer Erblindung eine – wie er es beschreibt – andere Gefühlswelt hat, alles intensiver und sensitiver erlebt. Das Blindsein, davon ist Feri überzeugt, schenkt ihm viele Schätze. „Viele Menschen verpassen sich selbst im Leben. Das Leben ist Fluss. Man muss sehen, dass die Wasserhähne aufgedreht sind. Bei mir sind sie es. Durch meine Blindheit habe ich mehr Zugang zur eigenen Tiefe, zu dem, was gehört, gesehen, ausgedrückt werden will. Wenn ich sehen würde, hätte ich weder die menschliche noch die psychische Qualität, die ich jetzt habe.“ Wer nichts sieht, sieht tiefer oder wie Saint Exuperys kleiner Prinz es formulierte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Um es mit Feris Worten zu sagen: „Es gibt im Leben immer Hinweisschilder, die nicht wie Hinweisschilder aussehen.“ Auf einem dieser Schilder steht die Lebensaufgabe, auf einem anderen die Berufung eines Menschen.

Feri hat beide Hinweisschilder gefunden, gelesen – und beherzigt! „Meine Lebensaufgabe ist, mit meiner Blindheit klar zu kommen, menschliche Stärke zu haben, für andere da zu sein, Freude zu machen. Es geht nicht immer nur ums Reden, Zuhören ist wichtig, weil sich dadurch Entwicklung vollziehen kann.

Meine Berufung ist die Musik. Ich glaube an Gott, aus diesem Glauben schöpfe ich meine Kraft. Und ich glaube gewiss, dass Gott mich benutzt, um anderen etwas mitzuteilen.“

Wer Ferenc Németh mit offenen Ohren und offenem Herzen zuhört, wenn er spielt oder spricht, hat gute Chancen, Gottes Botschaft zu verstehen.

Text: Alida Pisu
Foto: Privatbesitz

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