Gespräch mit Nabila Espanioly

+++ ACHTUNG! +++ MUSS LEIDER AUF HERBST 2019 VERSCHOBEN WERDEN +++

Die Israelin palästinensischer Abstammung ist seit 30 Jahren Friedensaktivistin

Kann man mit Bildung in Palästina zum Frieden beitragen?

Wir setzen in diesem Jahr unsere „Reihe Palästina“ erstmalig mit einer Frau fort. Nabila Espanioly wurde 1955 in Nazareth geboren, wuchs in einer katholischen Familie auf und ging als Kind auf die Franciscan Sister's Sec School. Sie studierte „Social Work“ an der Universität in Haifa und legte ihren Magister darin an der Hebrew University of Jerusalem ab. „Social Work“ dürfte in Deutschland mit den Studiengängen der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften vergleichbar sein. Espanioly spricht fließend deutsch, denn sie hat an der Universität Bamberg Diplom-Psychologie studiert. Seit 1989 ist sie die Direktorin des Al-Tufula Zentrums in Nazareth, das nach Angaben auf seiner Webseite einen tiefgreifenden Gesamtansatz verfolgt. Dort sollen Frauen ermächtigt und Kinder nach feministischen, holistischen, integrativen und befreienden Ansätzen erzogen werden. Die Strategien seien Kapazitätsentwicklung, Erschließung von Ressourcen und Infrastrukturen, internationale Interessenvertretung und Netzwerkarbeit.

In den rund 30 Jahren als Aktivistin hat Espanioly sich für die Rechte der palästinensischen Minderheit in Israel eingesetzt und würde eine Zwei-Staaten-Lösung bevorzugen. 2003 bekam sie zusammen mit dem jüdischen Friedensaktivisten Reuven Moskowitz den Aachener Friedenspreis verliehen. Ebenso wichtig sind ihr aber auch die Frauenrechte, denn Palästinenserinnen seien dreifacher Diskriminierung ausgesetzt: Als Mitglieder der palästinensischen Minderheit, als Frauen in Israel und als Frauen in einer konservativen palästinensischen Gesellschaft.

Espanioly arbeitet auf internationaler Ebene mit den „Women in Black“ zusammen, die sich gewaltlos für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen und Rechtlosigkeit, Krieg, Militarismus und jede Art von Gewalt ablehnen, aber durchaus schon mal Straßen blockieren oder Militärbasen einen unerwünschten Besuch abstatten. Auf nationalem Level organisiert Espanioly mit der israelisch-palästinensischen “Coalition of Women for Just Peace” (CwfJP) Kampagnen für einen gerechten Frieden und eine Beendigung der israelischen Besatzung der West Bank und des Gaza Streifens, in dem z. B. Hilfskonvois in abgeschottete Gegenden geschickt werden. Sie ist Mitgründerin des Mossawa Centers, (das Wort Mossawa bedeutet Gleichheit), das sich dafür einsetzt, palästinensischen Bürger*innen auf juristischer und politischer Ebene zu ihrem Recht zu verhelfen.

Espanioly will die Identität der Palästinenser*innen stärken und damit eine unerlässliche Grundlage für eine multikulturelle Gesellschaft in Israel/Palästina schaffen. Sie ermutigt ihre Landsleute, ihre Opferrolle abzustreifen und aktiv an einer Verbesserung der Lage zu arbeiten.

Text: Helga Fitzner
Foto: Nabila Espanioly, Collage: Timo Belger

2003 wurden ihr und Reuven Moskowitz der Aachener Friedenspreis verliehen.

Nabila Espanioly, Friedensaktivistin aus Palästina, Foto: Nabila Espanioly