Himmelfahrt in der Lutherkirche

Vatertag der anderen Art

 
Wer Vatertag einmal anders begehen möchte, aber nicht auf sein Bier und Grillwürstchen verzichten will, ist herzlich zum Himmelfahrtsgottesdienst eingeladen. Auch wenn das Wetter nicht mitspielen sollte, ist im Atrium der Lutherkirche genug überdachter Platz, um fröhlich zu feiern.

Höhepunkt ist der Auftritt von Alfons, dem impulsiven Hahn (alias Pfarrer Hans Mörtter), und einem gelassener gearteten Federtier (in früheren Jahren war das Superintendent Rolf Domning als die kluge Gans Hertha, seit 2009 ist es Gaby Falk als Gaga, die glückliche Gans). Statt Predigt, diskutiert das Federvieh aktuelle Ereignisse und Befindlichkeiten.

„Es wird happening-mäßig auch immer getauft“, erklärt Pfarrer Mörtter. Wobei „happening“ auf keinen Fall meint, dass es dabei nicht feierlich zuginge. Hans Mörtter gelingt es immer wieder, die Taufen zu einem ganz besonderen Moment werden zu lassen. Der Trubel der vielen Kinder drum herum gehört einfach mit dazu. Unser Kantor Thomas Frerichs sorgt am Klavier für musikalische Begleitung. Beim anschließenden Grillfest ist Gelegenheit zum Klönen und Herumtoben.

Himmelfahrtsgottesdienst mit Gaby Falk als glückliche Gans Gaga und Hans Mörtter als stolzer Hahn Alfons, Fotomontage: Helga Fitzner

Gaga, die glückliche Gans, (alias Gaby Falk) und der stolze Hahn Alfons (alias Pfarrer Hans Mörtter) begackern kleine und große Ereignisse

Was ist Himmelfahrt?

Das Phänomen der Himmelfahrt gibt es im Christentum, im Judentum und auch im Islam. Bei der allgemeinen Himmelfahrt ist der Aufstieg ins Jenseits gemeint, und zwar mit dem Körper. Es bleibt also kein Leichnam zurück. Im alten Testament wird die Himmelfahrt des Propheten Elija als die mit einem feurigen Wagen beschrieben.

Im christlichen Glauben kommt die symbolische Bedeutung der Himmelfahrt Christi zum Tragen. In ihr begründet sich das Einswerden Gottes mit den Menschen. Christi Himmelfahrt findet vierzig Tage nach Ostern statt und wird seit dem vierten Jahrhundert gefeiert. In früheren Jahrhunderten gab es den Brauch, mit der Christus-Statue eine Prozession um die Felder zu veranstalten und um eine gute Ernte zu bitten. Der Protestantismus hatte das Fest von den Katholiken zunächst übernommen. In der Zeit der Aufklärung war es aber zeitweilig gefährdet, wurde letztendlich aber doch beibehalten. Traditionell endete der Tag mit Speisen und Getränken, Musik, Spielen und Wettkämpfen.

Die Bedeutung der anschließenden Pfingst-Novene ist inzwischen in den Hintergrund getreten. Die Novene sind die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten, in der traditionell darum gebetet wird, dass der Heilige Geist herabkommen möge. Es ist eine Zeit des Verlassenseins. Jesus hat sich von seinen Jüngern zurückgezogen, um alleine zu sein. Es ist eine Zeit der Gottesferne, wie Jesus sie auch vorübergehend am Kreuz erlebt hat. Um so fröhlicher wird dann das Pfingstfest gefeiert, in dem durch den Heiligen Geist die Verbindung der Menschen zu Gott und zu Christus wiederhergestellt wird.

In der heutigen Zeit ist Christi Himmelfahrt vom Vatertag vielfach verdrängt worden. Dabei liegt der Vatertag in christlicherer Tradition, als ihm bewusst sein dürfte. Schon im Mittelalter endeten die Feierlichkeiten gelegentlich mit Gelagen und Besäufnissen. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Herrenpartien daraus, denen dann später die Einführung des Muttertages folgte.

Text und Fotos: Helga Fitzner 

Himmelfahrt an der Lutherkirche, Foto: Helga Fitzner

Gockel Alfons und die glückliche Gans Gaga sind ganz in ihrem Element