29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: Lothar Wages

29. Kölner Talkgottesdienst
am 27. Januar 2019 um 11.15 Uhr
zu Gast: Hartmut Priess

Musiker: Bass, Gitarre und Mandoline bei den Bläck Fööss

Ein stiller Fooss

Aufsehen um seine Person mag Hartmut Priess gar nicht, obwohl er 48 Jahre lang Bass, Gitarre und Mandoline bei den Bläck Fööss spielte, die seit ihrer Gründung 1970 aus dem Kölner Karneval nicht mehr wegzudenken sind. Trotzdem ist nur wenig Persönliches über ihn bekannt. Er ist 75 Jahre alt und das Silvesterkonzert 2018 war sein letztes mit den Bläck Fööss.

Pfarrer Hans Mörtter hat Gemeinsamkeiten mit Priess entdeckt, wenn es darum geht, „was uns beiden für Köln wichtig ist und uns am Herzen liegt“. Er will ihn über seine Einschätzung der Lage in Köln befragen, über die sich die Band in ihren Liedern auch immer wieder Gedanken macht. Da geht es um Nachbarschaft wie in ihrem allerersten Hit „Drink doch eine met“ sowie „En unsrem Veedel“ und einen humorvollen Blick auf die Unzulänglichkeiten der Menschen wie in „Lück wie ich un du“. Die „Fööss“ thematisieren auch immer wieder Missstände. Das Thema Gentrifizierung gehörte dazu.

Ein weiteres Anliegen der beiden sind die Kinder. Hartmut Priess wurde zusammen mit Kafi Biermann und Bömmel Lückerath vom Festkomitee Kölner Karneval mit der „Kulturkamelle“ für sein ehrenamtliches Engagement an Kölner Schulen geehrt. „Auch da haben wir Gemeinsamkeiten“, meint Mörtter, „wenn es um die Schulsituation in Köln und das Einstehen für die Schüler*innen geht“.

Laut Mörtter kommt den Bläck Fööss und damit auch Hartmut Priess eine „identitätsstiftende Bedeutung“ zu. Die Themenvielfalt ihres Repertoires, das von Priess all die Jahrzehnte mitgestaltet und getragen wurde, ist ein wahres Füllhorn an Gesprächsstoff für die beiden. „Uns beiden liegt das Menschsein am Herzen“, sagt Mörtter, „wir wollen uns deshalb auch nicht scheuen, umstrittene Themen aufzugreifen. Es verspricht, spannend zu werden“.
Text: Helga Fitzner

Tontechnik und Fotos: Lothar Wages
Plakat: Hermann Vogel
Musik: Kantor Thomas Frerichs (Klavier) und Burkhard Müller (Saxophon)
Das Gespräch wurde transkibiert vom Büro Kolb, Köln
und redigiert von Helga Fitzner

Bericht über Hartmut Priess' letzten Auftritt im Kölner Stadtanzeiger
Abschiedsgeschenk von Hans Mörtter, Cornel Wachter & Co.

Teil 1:  „Heimweh ist ein bestimmendes Element“

Hans Mörtter
Eigentlich wollte ich ganz anders einsteigen, aber jetzt, wo wir mit der Gemeinde „Mir klääve am Lääve“ gesungen haben, muss ich darauf eingehen. Wann habt ihr das geschrieben?

Hartmut Priess
1984.

Hans Mörtter
1984. Da standen wir zu Hunderttausenden auf der Bonner Hofgartenwiese und demonstrierten gegen die Aufrüstung mit Pershings und Cruise Missiles. Es war ein tolles Gefühl, dass so viele Menschen so engagiert waren. Und dann euer Lied dazu.

Hartmut Priess
Musik kann so etwas bewirken. Da können glückliche Umstände zusammentreffen, selbst wenn es ein unglücklicher Anlass ist.

Hans Mörtter
Musik verstärkt, Musik macht Mut, Musik verbindet – und benennt. Ihr seid ja da richtige "Revolutionäre" gewesen und eurer Zeit auch voraus.

Hartmut Priess
Wir Musiker haben das große Glück, aus dem Fluss aussteigen zu können. Wenn man am Ufer sitzt, sieht man, wie andere sich bewegen, und dann ist es unsere Aufgabe, der Gesellschaft mitzuteilen, was wir sehen, weil die Gesellschaft im Fluss an uns vorbei schwimmt. Da haben wir eine gewisse Rechtfertigung für unsere manchmal doch recht faule Lebensweise.

Hans Mörtter
Ihr habt ja rebellisch angefangen mit Beat und wolltet gar keine kölsche Band sein. Erzähl mal, wie ihr da hineingeraten seid.

Hartmut Priess
Durch Zufall. Alle Jungs unserer Generation wollten Anfang der 60er-Jahre das nachmachen, was uns das Ausland, vorwiegend England und Amerika, vorgemacht haben, und das ging schon in den 50er-Jahren los. Mir ist immer noch ein Spruch erinnerlich: "Als ich zum ersten Mal in meinem Leben Elvis gehört habe, hab ich meinem Vater kein Wort mehr geglaubt". Wie immer steckt in solchen großen Sätzen eine bestimmte Wahrheit. Es ist kulturell der Beginn, dass eine Generation sich von den Gedanken ihrer Väter gelöst und nach neuen Wegen gesucht hat – auch wenn die aus dem Ausland kamen, was damals im deutschen Denken noch sehr ungewöhnlich war.

Hans Mörtter
Als ihr dann 1971 „Drink doch eine met“ herausgebracht habt, war das der erste richtig große Erfolg.

Hartmut Priess
Das war das erste Lied, das sehr schnell Erfolg hatte, vielleicht weil es vom Äußeren her in seinem Musikarrangement andere Töne hatte als die bis da bekannten. Vom Inhalt war es eigentlich nichts Neues, weil das schon oft gesagt worden war.

Hans Mörtter
Euch wurde geraten, mal etwas anderes zu machen und das Tolle ist einfach, die Bläck Fööss haben das sehr ernst genommen und wurden in den 70ern tatsächlich zur Prinzenproklamation und zu den Karnevalssitzungen der klassischen Karnevalsgesellschaften eingeladen. Da saßen dann die Herrschaften, teilweise im Frack oder auch im Smoking und in Abendgarderobe und eventuell mit Narrenkäppchen auf dem Kopf, und dann kommen so ein paar Jungs herein - lange Haare, barfuß, zottelig bis zum Gehtnichtmehr – da muss doch manch einer kräftig geschluckt haben.

Hartmut Priess
Es war die Generation unserer Väter. Als wir 1970 begonnen haben, war der Durchschnittspräsident einer der bedeutenden Karnevalsgesellschaften 65 oder 70 Jahre alt. Da muss man nur die Jahrgänge zurückrechnen, und dann ist man bei deren Geburtsjahr 1900 oder 1905. Dann ist es ein ganz großer Schritt zu überlegen, was haben diese Herrschaften in ihrem Leben erlebt. Sie haben die Kaiserzeit erlebt, den Ersten Weltkrieg, sie haben den missglückten Versuch erlebt, von 1918 bis 1931/32, eine Demokratie zu installieren. Dann kam das Dritte Reich, es kam die Zerstörung der Nachkriegszeit. Danach kam der Wiederaufbau der Bundesrepublik. Als sie mit uns aufeinander trafen, waren das tatsächlich unterschiedliche Geisteswelten. Von unserer Seite war es rückblickend gut, dass wir nicht, wie oft in Zeitungen gesagt wurde, revolutionär waren. Da wir hier in dieser besonderen Form der Kirche sind, würde ich sagen, wir waren eher Reformatoren als Revolutionäre, und das war auch ganz gut so.

Hans Mörtter
Aber gab es denn nicht gerade im traditionellen Karneval damals, 70er-, 80er-Jahre, so was wie „die sind viel zu politisch, das gehört nicht in den Karneval“?

Hartmut Priess
Diese Leute haben vielleicht die Kölner Lieder, die vor den unseren entstanden sind, nicht richtig gehört. Es gab immer welche, die politische Aussagen hatten. Willi Ostermann hat 1932 ein Lied geschrieben und sarkastisch und ironisch gesagt: „So schön, wie augenblicklich, so schön war es noch nie.“ Worüber hat er beschrieben? Inflation, Armut und Schwarzen Freitag. Wir haben das, „so schön ist es, und so schön war es noch nie“ dann aufgegriffen mit „Su schön wor et noch nie“, in dem es um die Spaltung unserer Gesellschaft in arm und reich geht. Uns wurde beschwichtigend gesagt, dass hier in der Bundesrepublik keiner arm sein müsse, es würde dafür gesorgt, dass es allen gut ginge. Aber dahinter steht eine Realität, die viel bedrückender ist, als man uns immer weismachen wollte. So haben wir dann das Ostermann-Lied von 1932 aufgegriffen und mit einem veränderten Text in den Versen an unsere Zeit angeglichen, aber der Inhalt bleibt derselbe. Ich will damit sagen, Lieder, die das Leben und damit auch die Politik beschrieben haben, gab es immer.

Hans Mörtter
Danke euch dafür, Hartmut. Gehen wir mal zurück: Du bist irgendwann mal ein Junge gewesen, ein Jugendlicher …

Hartmut Priess
Man will es kaum glauben, aber es stimmt.

Hans Mörtter
Irgendwas ist aber davon übrig geblieben, und das Fantastische ist irgendwie auch, das war mir gar nicht vorher so klar, unsere Lutherkirche ist früher deine Gemeinde gewesen. Bis sie vom Krieg zerstört worden war.

Hartmut Priess
Insofern bin ich hier nach Hause zurückgekehrt. Allerdings nicht ganz, weil mein Zuhause anders aussieht: Das ist das zerstörte Berlin, das ich im Jahr 1942 noch bis zum Oktober/November kennengelernt habe. Da wollte ich nicht weg. Ich hab meine Kinderhände in den Asphalt gekrallt und wollte unbedingt in Berlin bleiben, aber Macht geht vor Gerechtigkeit, so hab ich es damals genannt. Mein Vater bekam hier eine bessere Stellung, und wir sind von Berlin nach Köln gezogen, was für mich aber wie eine Amputation war. Wir sind dann hier in dieser Gemeinde gelandet, wo ich noch viele Jahre kräftiges Heimweh geschoben hab, was für mein Leben eine gewisse Bedeutung behalten hat. Ich konnte damit umgehen, dass Heimweh eines der Grundelemente im kölschen Seelenleben ist – ob sie in Köln wohnen oder Köln verlassen haben. Wir haben nie eine Deutschlandtour gemacht und sind eigentlich immer im gerade noch akustischen Geltungsbereich der kölschen Sprache geblieben. Aber schon, wenn wir im Bergischen Land gespielt haben oder zwischen Bonn und Koblenz, waren es vorwiegend die kölschen Mädcher, die kamen und weinten: Ja, es ist schön, dass ihr hier mit eurer kölschen Musik seid, ich musste hier hin. Meistens sind sie per Heirat dahin verschleppt worden, und weinten dann bittere Tränen. Wenn man dann sagte, ja, steig doch schnell in den Zug, fahr nach Köln, dann bist du schnell zu Hause, merkte man, wie kompliziert das ist. Aber Heimweh ist ein bestimmendes Element und viel stärker, als wir glauben. Ich hab damals, als ich von Berlin hierher kam, mit einem Schlag alle meine Freunde verloren, die ich bis dahin hatte, und Freundschaften sind in der Entwicklung eines Menschenlebens in den ersten Jahren gleich das Wichtigste nach Familie und Schule. Wahrscheinlich sind die Freundschaften noch wichtiger. Wenn das so arg abgeschnitten wird, nicht nur durch Umziehen, sondern auch durch andere Dinge, sollte man immer überlegen, was man den Kindern antut, wenn in das Leben eines Kindes ein so harter Schnitt eingefügt wird. Das erkennt man heute auch an den Tränen, wenn die Grundschulzeit vorbei ist und die Kinder viele ihrer Freunde und Lehrer verlieren. Ein großer Teil ihres sozialen Lebens wird damit recht schnell zerstört.

Hans Mörtter
Heimat spielt in vielen von euren Liedern eine große Rolle.

Hartmut Priess
Auch in der Bundesrepublik. Wir haben ja neuerdings ein Heimat…, ich hätte beinah Museum gesagt, ein Heimatministerium. Dass man für so was ein Ministerium gründen muss … Da will ich nicht groß drüber nachdenken.

Hans Mörtter
Heimat ist das, wo ich zu Hause bin, Heimat ist da, wo ich Gemeinschaft erlebe. Kann man das so sagen?

Hartmut Priess
Oder was ich verloren habe. Das ist eine ganz wichtige Frage, wenn wir an die Flüchtlinge denken. Die kommen ja nicht aus Jux und Dollerei hierhin, sondern weil sie um ihr Leben fürchten.

Hans Mörtter
Genau, auch die sind auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Hartmut Priess
Ja, das wird bei der Frage oft vergessen. Ich war zufällig in München, als die Flüchtlinge dort ankamen. Die Flüchtlinge, die aus dem Zug ausstiegen, sind durch eine lange Reihe Beifall klatschender Menschen gegangen, die als erste Hilfsstation am Bahnhof waren und sich um sie gekümmert haben. Das ist ein Bild, das ich nie vergessen werde und das oft vergessen wird, wenn man über die ganze Frage spricht. Das war im September 2015.

Hans Mörtter
Da knüpfe ich direkt dran an: Ich glaube, anscheinend auch in Köln haben viele Menschen eure Lieder in den Herzen und im Kopf drin, denn es gab vor ein paar Monaten eine bundesweite Umfrage, wie Deutsche zu Migration und zu Migranten stehen. Laut dieser Umfrage sind es gut 80 Prozent der Deutschen, die Migranten gegenüber positiv eingestellt sind. 80 Prozent! Doch es wird in den Medien immer so getan, als ob die Mehrheit der Deutschen migrantenfeindlich ist oder kritisch, bedenklich, sorgenvoll. 80 Prozent sind offen für die Menschen, die zu uns gekommen sind, die zu uns geflohen sind. In der Kulturszene, an der Oper, wird ein Button getragen, der heißt „Die Vielen“.

Hartmut Priess
Ich kann das nur bestätigen. Ich will da Köln und dem Rheinland, aber speziell auch Köln ein recht eigenartiges Kompliment machen: Ich bin mit Bömmel 1978 im Urlaub durch die Türkei gefahren, wir sind in Antalya gelandet und dann mit einem Wagen durch die Türkei gefahren, die ganze Südküste bis an den Knick, wo es nach Palästina abgeht. Von dort aus nach Norden durchs Taurusgebirge nach Kappadokien, von da aus übers Landesinnere wieder nach Antalya zurück, wo wir dann noch eine Woche am Strand Urlaub gemacht haben. Auf dem Weg von Kappadokien nach Konya sind wir an einer Stelle, wo wir eine besondere Landschaftsformation sehen wollten, 30 Kilometer von der Hauptstraße nach Süden abgebogen und haben da in einer Wellblechhütte vier oder fünf türkische Arbeiter gesehen, die da ihre Pause machten, Tee getrunken und Zigarettchen geraucht haben. Ja, das Übliche: Wo kommt ihr her, eine Tasse Tee? Ihr kennt ja aus türkischen Restaurants die Teegläser mit den Zuckerstückchen. Wir kamen sofort ins Gespräch, und weder Bömmel noch ich sprachen Türkisch, aber die Herrschaften im Sommer 1978 sprachen sehr gut Deutsch. Die haben als Gastarbeiter in Deutschland gearbeitet und die wichtigsten Städte der Autoindustrie gesehen in Stuttgart, Rüsselsheim, im Ruhrgebiet und in Köln. In Köln haben wir uns zu Hause gefühlt, erzählten sie, weil die Lebensart dort unserer Lebensart entspricht, viel auf der Straße, im öffentlichen Raum, wo ein Miteinander im Gespräch wenigstens schnell möglich ist. Und bitte noch mal: Das war im Sommer 1978.

Hans Mörtter
Wow, das macht uns Mut.

Hartmut Priess
Wie wir in dem Stammbaum-Lied gesagt haben, das ist wahrscheinlich ein geschichtliches Erbe der Kölner, dass der Fluss, der Handel und Wandel bringt, viele Menschen hier hinbringt, nach diesem Stück aus „Des Teufels General“ von Zuckmayer. (Immer wieder lesenswert:) Das ist tatsächlich ein Teil unserer Geschichte. Wir hängen der Stadt damit keine Lorbeerkränze um, es ist einfach Geschichte. Es soll nicht verschwiegen werden, dass das natürlich auch oft genug mit schrecklichen Auseinandersetzungen verbunden war, vor allen Dingen den jüdischen Mitbürgern gegenüber. Als die ersten Kreuzzüge losgingen, sind die Kreuzritter vom Norden gekommen Richtung Istanbul und haben ihre Schwerter in einer Art Trainingslager hier in Köln auch in den jüdischen Gemeinden geübt. Das war schrecklich, und das soll man nicht vergessen. Der Prozess miteinander auszukommen, ist allen Seiten nicht geschenkt worden, und wir sollten es nun zum Teil unserer Geschichtsbetrachtung machen, dass wir uns in dieser Beziehung kein Wolkenkuckucksheim bauen, aber auf der anderen Seite wissen, weil diese Dinge bewältigt worden sind und heute zu einem Miteinander geführt haben, das in den meisten Fällen wenigstens friedlich und in vielen Fällen auch freundlich abgeht.

Hans Mörtter
Ja, man könnte so sagen, die Stadt mit K ist eine ständige Herausforderung, zu gucken, wer wir eigentlich sind.

Teil 2:   Das Bildungssystem geht am Leben und an der Liebe vorbei

Hartmut Priess
Ja, das hat Kasalla in dem Lied „Stadt mit K“  wunderbar ausgedrückt. Wir spielen dieses Lied auch, wenn wir mit Schülern zusammen sind. Bömmel, Kafi und ich gehen in Schulen und haben gemerkt, dass die Schüler einen Höllenspaß daran haben. Der Text geht über zwei Seiten, Vorder- und Rückseite so eines Blattes, und die Schüler kennen den Text in- und auswendig. Ich sag nur eins: Wenn mir früher ein Lehrer ein so langes Gedicht gezeigt hätte mit der Aufforderung, ich soll das lernen – kramt mal in eurem Gedächtnis, was auch ihr lernen musstet –, ich hätte ihm das freundlich zurückgegeben und gesagt: Lernen Sie das doch bitte selber!

Hans Mörtter
Das macht ihr seit ungefähr 1993. Kafi, Bömmel und Hartmut gehen in die Schulen und singen mit den Kindern. Was für eine Bedeutung hat das, worum geht es dabei?

Hartmut Priess
Als Erstes: Es macht uns Spaß, weil wir das sonst nicht machen würden, und da soll man uns auch gar keine Kränze flechten. Für die Kinder ist es ein Weg, mit der Stadt verwachsen zu sein. Jetzt denke ich auch wieder an Migrantenkinder, die hier hinkommen und schneller als ihre Eltern Deutsch lernen oder hier zur Welt gekommen sind. Ihre Eltern haben oft noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, die Kinder lernen das eigentlich ratzfatz, weil Kinder nun mal viel schneller als die Eltern lernen. Aber in der Begegnung mit der kölschen Sprache ist es für die Kinder sehr lustig – a) weil die Texte oft einen freundlichen, lustigen Inhalt haben, aber auch b), weil es in ihren Ohren so komisch klingt. Die haben also schon das Deutsch, das sie lernen müssen, was für sie nicht ganz einfach ist, aber sie schaffen das schon, und jetzt kommen diese komischen Sprachbrocken, und Kinder haben immer Spaß an verrückten Dingen. Ich möchte das Wort „verrückt“ mal beim Wort nehmen: Ver-rückt heißt, nicht mehr gerade und geordnet, sondern durcheinandergebracht. Da kommen so komische Laute raus, dass sie schon beim Hören dieser Sprache lachen. Sie lernen auch in ihren kleinen Schulchören im Veedel, auch außerhalb der Schule aufzutreten, und da kommen Erwachsene und sagen: Ihr macht das gut. Auf einem Weg, der sehr viel Spaß macht, werden sie Bürger dieser Stadt. Im glücklichsten Falle sind sie auch dabei, wenn wir Weihnachten im Rathaus mit den Schülern Weihnachtslieder singen, kölsche Weihnachtslieder, bei denen es mittlerweile ein paar sehr schöne gibt. Dann ist Gastgeber nicht die Kirche und nicht der Kommerz, sondern die Stadt. Es gibt in Deutschland meines Wissens keine Stadt, wo der Bürgermeister oder neuerdings die Bürgermeisterin Kinder ins Rathaus einlädt und dort Weihnachtslieder in der Sprache der Stadt singt und sagt: Ich freue mich, dass ihr hier seid, ihr seid meine jüngsten Bürger, ich erkläre euch kurz mal, wo ihr hier seid. Das ist das Rathaus und hier passieren die Dinge, die wir uns gemeinsam für die Bürger ausdenken. Das ist zwar angesichts der Verhältnisse in Köln sehr freundlich gesagt, aber die Kinder nehmen es beim Wort und bekommen einen Begriff davon, was das ist, und das gefällt mir eigentlich sehr gut, dass so was in Köln möglich ist. In Hamburg, Berlin oder München, Frankfurt oder so ist dieser Gedanke undenkbar.

Hans Mörtter
Ich glaube, dass ihr dadurch den Kindern auch das Rückgrat stärkt.

Hartmut Priess
Ich hoffe, dass das in den Schulen jeden Tag passiert, nicht nur mit Liedern.

Hans Mörtter
2016 gab es den so genannten „Abi-Krieg“ und wir haben hier in diese Kirche eingeladen. Du, Cornel Wachter und ich waren ganz schnell im Bündnis. Es kamen die Schülersprecher*innen der Kölner Gymnasien, Schüler*innen, Lehrer*innen, Vertrauenslehrer, Schuldirektoren teilweise. Für dich, Cornel und mich war direkt klar: Wir stehen an der Seite der Schüler, das sind keine Idioten. Das Bashing, das sie abbekommen hatten in den Medien über den Abi-Krieg, hatte uns einfach nicht ruhig gelassen. Wir haben dann miteinander geredet, und versucht herauszubekommen, was da passiert und was eigentlich der Grund dafür ist. Das war dir ein ganz großes Anliegen.

Hartmut Priess
Mir hat das sehr viel Spaß gemacht und unterstützt auch das, was ich über die Kirche denke. Es sollte kein Selbstgespräch von Hochwürden sein, sondern ein Gespräch mit der Gemeinde, wo die Gemeinde auch Fragen stellen kann. Es hatte zu den Abiturfeiern der Schüler immer wieder Auseinandersetzungen gegeben. Wir wollten einfach den Schülern des Humboldt-Gymnasiums mal Gelegenheit geben, zu sagen, was überhaupt passiert ist. Die Schüler haben ein Video vorgeführt, das bei dem speziellen Krieg zwischen Humboldt-Gymnasium und Schülern, die gekommen sind, die Ursache gewesen ist. Dieses Video wurde als ein Aufruf zur rassistischen Gewalt hochgespielt. Das Video war eine sehr ironische Darstellung des Problems Schüler und Abitur und Verhältnis zu den anderen Schulen, und jeder, der das gesehen hat, musste eigentlich merken, dass die Schüler sich auch selber auf die Schippe genommen haben. Insofern war das hier eine Veranstaltung, die etwas zur Klärung der Sache beigetragen hat. Ich finde das dann wunderbar, wenn der Raum der Kirche der Raum ist, in dem in aller Ruhe über die Dinge gesprochen werden kann und nicht im Sinne von „ich hab recht, du hast nicht recht“, sondern wir legen die Dinge auf den Tisch, jeder kann sie anschauen und dann mit seinen eigenen Gedanken nach Hause gehen.

Hans Mörtter
Bei dem Video ging es um das KKK, das Kölsch Kraat Kommando. Ich bin ein Fan davon gewesen.

Hartmut Priess
Ja, es ist ja so, dass in dieser Art von Musik, die zugrunde lag, Gewalt immer eine Rolle spielt, aber oft genug so, dass man sagen muss: Ja, mein Gott, was passiert hier. Oder es wird durch den Kakao gezogen. Wenn Schüler sich auf Kinderautos vorwärts bewegen, muss doch jedem klar sein, dass das nicht ernst gemeint ist, sondern Sarkasmus, Ironie und Spaß.

Hans Mörtter
Genau, man muss och laache könne. Der Punkt an diesem Abend, der mir auch noch sehr nachdrücklich in Erinnerung ist, war die hohe Qualität dieses Einander-Zuhörens, von Einander-Mitkriegen, eine andere Position hören, sie stehen lassen und dann darauf reagieren, und die Zielrichtung dieses Abends war: Wie kriegen wir das denn für die Zukunft miteinander hin. Das ist mehr oder weniger gelungen, würde ich sagen, der Impuls hat funktioniert.

Hartmut Priess
Ich hab danach eigentlich nicht mehr gehört, dass so was wieder geschehen wäre.

Hans Mörtter
An dem Abend haben wir festgestellt, dass dieses Diktat von G8, (dem Schulsystem, das auf 8 Jahre Gymnasium verkürzt wurde), an der Wirklichkeit der Kinder vorbeigeht und dass es sowieso die große Frage ist, was mit unserem Bildungssystem eigentlich los ist. Als unsere Tochter mit zehn Jahren aufs Humboldt kam und ich Elternvertreter wurde, dachte ich: Ach du Scheiße, jetzt geht das ganze Spiel wieder von vorne los. Ich dachte, ich hätte Schule hinter mir gehabt nach dem Abitur, und durch meine Tochter fing ich mit der Schule wieder neu an, und das System hat sich überhaupt nicht verändert. Wir gucken da immer zu, wir nehmen das hin. Da gibt es ständige Schulreformen, die die Schüler und Lehrer völlig verdötscht machen, sie abhalten, ihnen Energie rauben. Aber da war doch irgendwie im Kopf die Frage: Wir brauchen ein anderes Bildungssystem.

Hartmut Priess
Ja, wenn ich von unserer Arbeit mit den Schulen spreche, hat sich das leider in den letzten Jahren auf die Grundschule beschränkt. Viel wichtiger ist es eigentlich, die Schüler von der fünften Klasse bis zu zehnten zu erreichen, weil da am meisten mit dem, was du gerade angesprochen hast, zerstört wird, es geht bis zum Abitur. Wir haben, bevor G8 kam, auch recht viel mit Gymnasien gemacht. Ich möchte ein Beispiel nennen: Das Kultusministerium in Düsseldorf hatte den Leistungskursen Musik aufgegeben, über das Thema „engagierte Lieder“ nachzudenken. Ein Vertrauenslehrer bat mich, das zu übernehmen, weil das Teil unserer Musikarbeit sei. Der kam wohl mit der Dienstanweisung nicht so ganz klar. Nachdem ich das Arbeitsblatt des Ministeriums gelesen hatte, sagte ich den Schülern ganz ehrlich: „Was ich hier gelesen hab, bestätigt eigentlich meine ständige Ablehnung der Schule, als ich selber Schüler war. Das lag nicht an den Lehrern, aber diese Sprache vom Ministerium ist viel zu weit vom Leben entfernt. Wenn in dieser Sprache, wo hier über Lieder gesprochen wird, in einem anderen Leistungskurs über die Liebe, die Fortpflanzung und alles Mögliche gesprochen wird, müsste Deutschland aussterben. Diese Sprache ist so lieblos, dass man eigentlich nur noch spazieren gehen will und die Arbeit an diesem Thema den Ministerialen überlassen – mit dem Ergebnis, das ich gerade genannt habe. Es geht an jeder Wirklichkeit, an jedem Leben und an jeder Liebe vorbei, und das wird den Schülern übergestülpt. Fächer wie Sport, Kunst, Musik, Theater leiden darunter. In meiner Schulzeit hieß es immer, wenn der Mathelehrer kam: Ja, ich hab mit eurem Musiklehrer gesprochen, ich hab die zwei Stunden von ihm bekommen. - Die sind uns weggenommen worden in der Musik, und dann mussten wir eine Mathearbeit schreiben.

Hans Mörtter
Da stimmt ganz gewaltig was nicht.

Wir machen jetzt eine kleine Pause. Es gibt einen Musiker, der bei dir und bei den Bläck Fööss eine wichtige Rolle gespielt hat: Graham Bonney. Von dem hörst du jetzt was, das ist unser Geschenk.

(Kantor Thomas Frerichs (Klavier) und Burkhard Müller (Saxophon) spielen einen Hit von Graham Bonney aus dem Jahr 1970
„Ich mach ein Interview mit deinem Herzen“. Die Begleitband waren „The Stowaways“, aus der später die Bläck Fööss entstanden sind).

Teil 3:  Der Weg des schielenden Glücks

Hartmut Priess
Für die Schallplattenaufnahme dieses Liedes ("Ich mach ein Interview mit deinem Herzen" von Graham Bonney) haben wir mit unserer alten Band "The Stowaways" im Electrola-Studio gesessen und das Playback gespielt. Graham war natürlich für uns ungeheuer wichtig. Er gehört zu unserer Generation, und in England war vier, fünf Jahre vor uns in Deutschland, dieselbe Frage zwischen den Generationen entstanden. Es ging um die Generation der Väter, die den Krieg mitgemacht haben, und die der jungen Leute, wo auch in England die Uhren neu gestellt wurden. Grahams Rolle, um es kurz zu machen, war hier, uns zu sagen: Hört auf uns nachzumachen, wenn ihr an eure Musik glauben wollt. Es gibt in England Tausende von Gruppen, die besser Englisch sprechen und singen als ihr, da habt ihr keine Chance. Singt auf Deutsch und – weil er den Karneval kennengelernt hat – singt eure Bierlieder, das ist auch wunderbar. Ein Journalist hat mal in Köln über uns gesagt: Die Bläck Fööss, die sind auf ihrem Weg immer den des schielenden Glücks gegangen, soll sagen, dass verschiedene Dinge, die uns dann sehr viel weitergeholfen haben, eigentlich gegen unseren Willen passiert sind. Ja, so einen Lebensweg kann man auch haben.
Wir sind natürlich Graham sehr dankbar, und eine Episode möchte ich noch sagen: Vor einem Jahr oder zwei Jahren waren wir noch in Westfalen auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Krebshilfe und da war er zufrieden und glücklich und sagte: Hört mal nach dem, was hier in England passiert, hab ich mich entschieden, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, ich bin jetzt Deutscher. Das heißt also, dass der, der uns geraten hat, singt doch Deutsch, jetzt selber Deutscher geworden ist. Vor über zehn Jahren hat er auf einer Karnevalsveranstaltung mit uns zusammen gesungen, weil er mit seiner deutschen Ehefrau in Kerpen wohnt, „Ich ben ne kölsche Jung, wat willst maache“. Ich glaube, die Philharmonie, vollgefüllt mit Mitgliedern der Ehrengarde, hat noch nie so gelacht wie an diesem Vormittag. Je länger er gesungen hat, desto mehr haben die vor Lachen geschrien. Als er sich dann den Schweiß abgewischt hat, kommt raus, dass der Graham zwar ein etwas banger, aber sehr bühnengewandter Typ ist – er hatte seine Familie mitgebracht, und er fiel 15 Meter vor seiner Schwiegermutter am Bühnenrand auf die Knie und sagte: Schwiegermama, zum ersten Mal in deinem Leben hast du mich richtig verstanden.

Hans Mörtter
Eine schöne Geschichte! Dir liegen die kölschen Tanzgruppen sehr am Herzen, die sind dir wichtig.

Hartmut Priess
Ja, auf der anderen Seite hat mal eine Zeitung über mich geschrieben, ich sei der Stumme bei den Bläck Fööss. Auf die Tanzgruppen bezogen, stimmt das total, aber es ist tatsächlich so: Das Lied, das am Anfang gesungen wurde oder mitgelesen wurde – „Wenn wir Kölsche singen“ –, ist ohne die Tanzgruppen nicht vorstellbar, und ich hab mit ihnen gerne Karneval gefeiert. Es gibt einen verschwiegenen Keller in Köln unter einer Kneipe, wo die Gruppen freitags und samstags so ab 25 Uhr eingefallen sind, und dann haben die noch drei, vier Stunden gefeiert, bis 26, 27, 28 Uhr, einfach ihre Freude am Spaß, an der Gemeinschaft gefeiert, und ich war dabei – durfte dabei sein, sagen wir es mal so. Ich fand das toll, wenn die gesungen haben. Gerade beim Singen, das Freude macht, gibt es eine mathematische Gleichung: 100-mal falsch oder 1000-mal falsch ist richtig. Diese Gemeinschaft haben sie da ausgestrahlt. Sie haben alle verschiedenartige Klamotten an, weil die in zehn verschiedenen Vereinen sind, aber sie haben sich verstanden, weil sie wirklich aus Spaß den Karneval machen und nicht wie wir als Profis, diesen Spaß immer auszustrahlen haben. Seitdem sie auch Kindergruppen haben, gefällt mir das besonders. Dann ist dieses Lied entstanden, oft haben die im Kreis gestanden, sich in den Arm genommen und Lieder gesungen – das ist ein unglaublich schönes Bild, so eine große Gemeinschaft zu sehen, die ihre eigenen kleinen Konkurrenzdinge beiseiteschiebt und sagt: Wir sind doch alle die, die am selben Schal stricken. Der Spruch, den sie haben, wenn sie auf der Bühne stehen, dem Publikum gegenüber, dass sie sagen: Wir machen das euch zur Ehre und uns zur Freude. Da kann man viel von lernen und ich finde das wunderbar.

Hans Mörtter
Bei uns eher Linken gab’s eine Zeit, wo wir gesagt haben, Tanzgruppen, das ist so traditioneller kölscher Karneval, das ist nicht so ganz unser Ding, wer sind die denn. Da gab’s wenig Verstehen auch. Ich bin jetzt absoluter Fan und Bewunderer der Tanzgruppen geworden, weil ich sehe, was die leisten, wie viel Spaß die haben, genau das, was du gesagt hast, wie viel Achtung wir davor haben müssen und wie stolz wir sein können, dass es das in unserer Stadt gibt. Deswegen ist mir der Puute Fastelovend so wichtig, wo wir mit fast 500 Kindern hier in der Kirche feiern. Es ist ganz, ganz eng. Trotzdem, das ist Tradition, kommt jedes Jahr an Weiberfastnacht da mitten rein eine Tanzgruppe und schmeißt die Mädels zehn Meter an die Kirchendecke hoch und alle staunen, wow, was machen die denn da, und sind in großer Ehrfurcht. Auf einmal wissen wir, wir gehören alle zusammen, egal woher wir kommen, welchen Bildungsgrad wir haben, das ist völlig egal, wir gehören zusammen.

Hartmut Priess
Ich mach mir manchmal Sorgen um sie. Wenn ich das sehe, sage ich denen, die ich kenne: Sieh zu, dass du heil von der Bühne kommst. Das macht mir oft Sorge, dass die Konkurrenz untereinander sie dazu bringt, die Leistungsanforderungen immer zu erhöhen. Da sind wir wieder bei den Schulen, wo die Schulen eigentlich mehr an die sogenannten Leistungsfächer denken – bei uns wurden sie Hauptfächer genannt –, das Gesamte ist wichtig und junge Leute dazu zu erziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Gemeinschaften zu bilden. Da sind halt die kreativen Fächer wie Kunst, Theater, Sport so enorm wichtig, weil sie da Dinge lernen, die sonst im Leben gar nicht mehr lernen.

Hans Mörtter
Die Zeit rast uns leider davon. - 1973 entstand auch „In unsrem Veedel“, das singen wir auch heute fast als Kirchenlied bei uns, weil es ein Glaubensbekenntnis ist, eine Liebeserklärung an das Leben in den Veedeln unserer Stadt, in Solidarität, im Miteinander. Wir haben zusammengesessen im Brauhaus Johann Schäfer in der Elsaßstraße, da hast du gespielt mit Bömmel und Kafi, da bist du Verbündeter, Unterstützer. Du verbindest mit diesem Brauhaus eine ganze Menge, und vor allem, du verbindest mit der Straße was, und „Polterovend en d’r Elsaßstroß“,  das kennen wir ja auch alle und vieles andere.

Hartmut Priess
Ich bin ja hier, weil diese Gemeinde ein Teil meiner Heimat ist. Viele Dinge, die wir mit den Bläck Fööss getextet haben, sind hier, aber auch in anderen Veedeln passiert. Ich hab bei uns, weil ich ja Berliner bin, oft die Aufgabe des fremden Auges gehabt. Es ist oft so, man kommt zu jemandem und sagt, bei dir in der Wohnung fällt mir das und das auf, und der Wohnungsinhaber sagt: Wie, sehen wir jeden Tag, bemerke ich gar nicht mehr. Aber dem Fremden fallen die auf, und so sind viele Dinge, die mir als Kind, als ich hier hinkam nach Köln, aufgefallen sind, dann nach Gesprächen in der Gruppe und gemeinsamer Arbeit zum Lied geworden, wie auch die „Elsaßstroß“, wo dieser Polterabend stattgefunden hat. Da, wo wir damals gespielt haben, ist jetzt eben dieses Brauhaus. Wir haben das Lied 1983 veröffentlicht – in dem Brauhaus, das jetzt in Not ist, haben wir letztes Jahr gespielt. So kommen diese Dinge zusammen. „In unsrem Veedel“ ist tatsächlich die Beobachtung von Nachbarschaft und was Nachbarschaft für den Menschen bedeutet. Die ganzen kleinen Dinge, die uns im Zusammenleben das Leben leichter werden lassen, wenn wir aufeinander achten und sehen, was bei dem anderen eventuell ein Anlass zu helfen sein kann – das ist in dem Lied mit ganz wenig Worten ausgedrückt. Wir hatten den Text ursprünglich viermal so lang geschrieben, wo alle Dinge genannt sind, die damals passiert sind. Es ging damals schon los, dass Leute aus den Veedeln vertrieben wurden, weil Wohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden sollten, und dann sind damals schon die Trabantensiedlungen um Köln gebaut worden – Chorweiler, Bocklemünd, Mengenich, Finkenberg und diese Dinge, wo dann Kölner gelandet sind und das Wort Heimweh eine ganz besondere Rolle spielt. Man könnte ja sagen, setz dich in die Straßenbahn und fahr von Chorweiler ins Vringsveedel, aber das ist es nicht. Der Alltag spielt sich da ab und zerstört für die Leute, die da hingehen mussten, den Lebenszusammenhang in den Stadtvierteln, wo sie aufgewachsen sind. Es sind ja Hunderte von Berührungspunkten, die jeder hat, der in der Nachbarschaft lebt, das kann man gar nicht alles aufzählen, da würden wir stundenlang sitzen. Aber das ist das, was das Leben ausmacht. Es gibt heute einen Ausdruck – die veröffentlichte Sprache benutzt immer Fremdworte, genau um das auszudrücken, was uns am Herzen liegt und was uns auch im Herzen wehtun kann, wenn es zerstört wird –, das heißt Gentrifizierung. Als ich das zum ersten Mal hörte, hab ich gesagt, was ist denn das schon wieder, bis dann mir jemand erklärt hat, was damit verbunden ist, und das ist das, was ich gerade sagte. Ich nehme ein anderes Beispiel: In der veröffentlichten Sprache scheuen sich die Politiker, das Wort Armut in den Mund zu nehmen, und Armutsberichte, kaum dass sie veröffentlicht sind, werden gleich angezweifelt. Also findet man ein Fremdwort dafür und nennt das Ganze Prekariat, und die Leute lesen das in der Zeitung, und dann kann man das in den Mund nehmen, ohne dass es verstanden wird. Es sei denn, man hat Griechisch, Latein oder Hebräisch gehabt.

Hans Mörtter
Und wir haben unsere Ruhe, genau, brauchen uns nicht kümmern. Interessant finde ich, dass eure Lieder immer wieder neu gültig sind und immer wieder auch eine Herausforderung sind zu gucken, was lassen wir in unserer Stadt geschehen, was lassen wir mit uns machen und wo ist der Widerstand.

Hartmut Priess
Ja, das ist mir gerade aufgefallen bei dem ersten Lied, das gesungen wurde, was wir bezeichnenderweise nie auf der Bühne gespielt haben: „Loss se kumme.“ Wenn ich das sehe, das ist eigentlich ein Lied, das wir jetzt singen sollten, wenn es darum geht, Parteien in einem Lied zu nennen, die dem Leben, wie wir es uns vorstellen, doch ganz anders begegnen, als wir das tun. Ja, Big Brother is watching – der Vollidiot. Großkotz und Dummheit, die gehen Hand in Hand. Wir brauchen nur auf die Dinge zu achten, die heute passieren, und geschrieben haben wir das Ganze 1983.

Teil 4:  Über Musik und die Kultur des Zusammenlebens

Hans Mörtter
Ganz wach, und das ist gut. Es gibt aber auch dann so eine Seite, wo man dann immer wieder überrascht ist, in der Stadt Köln. Ihr habt deftige moralische Prügel vom Kölner Stadt-Anzeiger bezogen, wegen einem Auftritt der Band im Pascha-Nightclub. -  Tätä!

Hartmut Priess
Das „Tätä“ kann ich nur zurückgeben, das war bei dir doch genau dasselbe. Du hast auch mit ihnen zusammengearbeitet, und das Lustige an der ganzen Geschichte ist, das genannte Pressehaus arbeitet mit dem Nightclub prächtig zusammen, allein über Annoncen, aber auch gemeinsame Veranstaltungen, und dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Dieses Haus ist von der Stadt nicht nur geduldet, sondern erwünscht. Wir waren schon das zweite oder dritte Mal da, ohne dass jemand davon Notiz genommen hat. Der Club ist ein Nachtklub wie jeder andere, das Haus, wo es um die Dinge geht, die heiße Männergespräche hervorrufen, ist auf der anderen Straßenseite, und die Dinge sind streng voneinander getrennt. In dem Nachtklub haben wir beispielsweise mit den Mädels, die dort den Stangentanz vollführen, wunderbar zusammengesessen und erzählt. Die haben ihren Raum in der Garderobe, wo die Postkarten hängen, wo die Bilder ihrer Kinder sind. Es ist ein ganz normaler bürgerlicher Beruf. In der Garderobe hängt – auch von der Stadt Köln - ein Dienstplan, der bestimmt doppelt oder dreifach so groß ist wie dieses Blatt, wo alle Messen der Stadt Köln – ich meine jetzt keine Gottesdienste-Messen, sondern die wirtschaftlichen Messen – genannt sind und wo Anwesenheitspflicht gewünscht ist. Das heißt, es ist ein Teil des Kölner Lebens, des Wirtschaftsbetriebes. Man kann moralisch verschiedener Meinung über die Dinge sein, aber es ist doch ziemlich eigenartig, darüber den Stab zu brechen. In Amsterdam ist das normal. Da gehört zu einem Stadtbesuch auch der Besuch im Rotlichtviertel dazu, der anders als in Köln in das Stadtgeschehen eingebaut ist. Es ist, wenn man sich benimmt, eine Freude, da durchzugehen und zu sehen, wie – ich sträube mich ein bisschen zu sagen – liebevoll das ins Stadtbild eingebaut ist als Teil des Lebens. Wenn ich dann an Köln denke, wo in der Beamtensprache von Verrichtungsboxen gesprochen wird, ja, mein Gott, das ist in allen europäischen Ländern dringend geboten, sich mit dem Thema richtig zu befassen, eine Gesetzgebung zu entwickeln und das zu bekämpfen, was den Frauen angetan wird außerhalb der geregelten kommunalen Verhältnisse. Aber das hat mit dem, was wir erlebt haben, überhaupt nichts zu tun, und den Kampf gegen Mädchenhandel und Prostitution als Folge von Gewalt müssen wir mit anderen Mitteln bekämpfen, und da helfen auch keine Zeitungsartikel, sondern da hilft die Arbeit der Regierungen und der Ordnungskräfte. Aber das Ganze ist wie oft in Köln: Moralische Urteile werden nicht nur hier, sondern auch in anderen Gebieten, wo wir es auch am eigenen Leib gespürt haben, schnell gefällt, oft genug auch über den offiziellen Karneval.

Es gab eine Zeit, wo wir Schwierigkeiten hatten, an die Schulen zu kommen, Anfang der 90er-Jahre, weil Lehrer gesagt haben: Was wollt ihr an der Schule, ihr seid im Karneval tätig, da werden frauenfeindliche Büttenreden gehalten – die ewig Gestrigen sind dran. Wir hatten Schwierigkeiten klarzumachen, dass Karneval ein lebendiges Geschehen ist, das sich immer wandelt. Ich hab vorhin gesagt, wir waren keine Revolutionäre, sondern eher Reformatoren. Viele Dinge sind über die Presse aufgeblasen worden und hatten mit der Realität gar nichts zu tun. Gerade in Zeiten vom Golfkrieg – vielleicht könnt ihr euch erinnern, als der Golfkrieg war 1991, wie der Sitzungskarneval in der Presse dargestellt worden ist. Das Ergebnis war, die großen Gesellschaften durften feiern, die Stunksitzung hat gefeiert, und dem Druck, nicht zu feiern, haben sich gebeugt die Veedelsveranstaltungen und die Gemeinde- oder auf katholischer Seite Pfarrsitzungen, die dann ausgefallen sind. Da ist etwas total auf den Kopf gestellt worden. Ich war damals mit dem Chefredakteur des „Express“ befreundet und hab ihm dann eine Woche vor Weiberfastnacht noch gesagt: Das könnt ihr nicht weitermachen, die Kölschen leben eigentlich für den Karneval. Denkt doch mal bitte an die Nachkriegszeit, wie im Nachkriegskarneval von 1945 bis 1950 Kölsche die ganze Last des Wiederaufbaus ertragen konnten, unter anderem, weil sie gemeinsam gefeiert haben. Vielleicht wisst ihr, dass wir die hervorragenden Lieder, die damals in Köln geschrieben wurden, gesammelt und in Veranstaltungen auf die Bühne gebracht haben. Unter dem Titel „Usjebomb“ haben wir 30 Lieder der Zeit von 1945 bis 1954 bearbeitet, also praktisch vom letzten Schuss, der in Köln gefallen ist im Krieg, bis zum 3:2 von Helmut Rahn in Bern (als Deutschland Fußballweltmeister wurde). Das sind ganz hervorragende Texte, das kann ich jetzt sagen, ohne uns loben zu wollen, weil die von anderen sind – Leute um Karl Berbuer, Jupp Schmitz, Schlösser/Jussenhoven. Keine andere Stadt wäre in der Lage, in Deutschland so gute Lieder in ihrer eigenen Kultur vorzuweisen.

In Köln wurde so was gemacht, ja, und dann heißt es, Karneval ist schlecht, und dann wird wie in den 90er-Jahren das Urteil darüber gefällt. Ihr könnt euch erinnern, dass Betttücher aus den Fenstern gehangen wurden – weiß das noch einer? Wir standen, als wir im April 1991 auf die Bühne gegangen sind, vor der Frage, wie wir darauf eingehen. Das Programm hieß dann „Zwischen Betttuch und Pappnas“, so ungefähr, und das Erste, was wir gemacht haben, als wir auf die Bühne gingen: Wir haben einen „Toten“ auf die Bühne gebracht, einen Nubbel, um damit zu symbolisieren, dass wir ein Programm machen wollen, das sich mit dem Tod und dem Karneval beschäftigt. Die Leute haben das intuitiv gemerkt, und sofort war der Beifall da, weil sie verstanden haben, um was es geht. Es hat sich dann, nachdem die Karnevalszeit bescheiden und originell auf die Straße gebracht wurde, die „Kölnische Rundschau“ entschuldigt. Der Lokalchef Engelbert Greis hat gesagt: Hier haben wir etwas falsch gesehen, das haben wir falsch dargestellt, und Köln hat gezeigt, dass man damit umgehen kann mit dem Gedanken, dass man feiert, aber genau weiß, wie man das macht. Das haben die Zeitungen leider total verfehlt.

Hans Mörtter
Wir müssen zum Schluss kommen, schade, schade, denn da gibt es noch einige Sachen. Zwei Dinge nur noch: Thema Tod, da hatten wir mal kurz darüber geredet. Die Frage, auch das ist dann wieder die große Moral: aktive Sterbehilfe, Sterben in Würde. Das war dir ja ein Anliegen.

Hartmut Priess
Das war, nachdem wir das Gespräch mit den Schülern gehabt haben, weil ich gemerkt hab, dass das hier ein Ort ist, wo man Fragen, die Dinge zum Inhalt haben, die umstritten sind, hier in aller Ruhe ausbreiten kann und besprechen kann. Es gibt so viele Meinungen. Ich bin alles andere als ein Fachmann, aber mit dem Tod haben viele Lieder und viele Dinge im Karneval zu tun. Das hat der Wolfgang Oelsner mal in einem Buch beschrieben, was alles mit dem Thema Schmerz, Tod und Trauer zu tun hat, ohne dass man das merkt. Das ist wie ein Gewürz in einer Speise, und die heilende Kraft dieser Dinge, die angesprochen werden, tun den Menschen gut. Er hat als Beispiel gebracht ein Lied wie „Et Meiers Kättche“ (aka „Ming eetste Fründin) , was im Grunde genommen ein todtrauriges Lied ist, weil es etwas beschreibt, vor dem jeder Angst hat. Das Auseinanderbrechen einer Gemeinschaft, einer Ehe, einer Liebe, einer Freundschaft kann ein ganz schwerer Einschnitt im Leben sein. Aber dann wird es in einem Lied besungen, an dem die Leute Freude haben, und die Wirkungsweise ist, dass die bittere Pille, die zuckrig verarbeitet ist, geschluckt werden kann, und bei der Freude am Singen wird der Schmerz auch verarbeitet. Das ist eine sehr gesunde Wirkungsweise. Ich könnte jetzt noch eine Viertelstunde weiterreden und lauter Lieder nennen, in denen über schwere Dinge im Leben gesprochen wird, aber sie werden in der Freude, im Lachen verarbeitet, ob in Büttenreden oder Symbolen oder in Liedern.

Hans Mörtter
Ja, genau. Zum Schluss die allerletzte Frage: Müsste es heute nicht eine Neuauflage von „Drink doch ene met“ geben in dem Sinne, „mer losse dich nit ertrinke“, was den Tod im Mittelmeer und auf der Flucht angeht.

Hartmut Priess
Ich kenne das noch als ein großes, übergroßes Werbeplakat der Stadt, „Der Kölsche lässt keinen allein“. Eigentlich muss man das singen, wenn einmal etwas in einer Stadt gesagt ist, ist es gültig, und viele Leute in Köln halten sich auch daran. Lieder sind nur Symbole. „Wir lieben unsere Stadt“ ist genauso groß als Werbeplakat jeden Tag zu sehen. Ob die Stadt sich selber liebt, ist eine andere Frage. Ich glaube, es müssen Lieder geschrieben werden darüber, warum die Dinge eventuell nicht ganz so klappen, wie wir uns das wünschen. Wir leben nun mal in der Stadt, wir haben keine andere. Meine Erfahrungen in der Schule, der Gemeinde und in der Stadt sind ein Teil meines Lebens geworden. In der Möglichkeit, das in der Musik auszudrücken, hab ich viele Dinge für mich selber bewältigen können und dann auf eine gewisse Weise auch damit auch meinen Frieden gemacht. Das ist nie ein endgültiger Frieden, aber die Kultur des Zusammenlebens, die bringt so viele Möglichkeiten die Dinge, die hier nicht stimmen, auf eine gewisse Weise klarzumachen. Was uns zum Beispiel verbindet, noch als Letztes: Der Versuch, hier ein Straßenfest zu organisieren, scheitert daran, dass das Straßenfest, das das Veedel leben lassen will, nicht erlaubt wird, und das Straßenfest, das kommerziell dem Veedel schadet in der Darstellung, genehmigt wird. Mit solchen Fragen müssen wir uns beschäftigen und immer wieder gucken, was wir noch besser machen können.

Hans Mörtter
Genau, das bezieht sich auf "Bunt im Block", das wir versucht hatten, und wir haben glorreich verloren, weil es eine ungeheure Hetze gegen uns gab, auch gegen mich persönlich, als ob wir das Viertel überrennen würden und einen Massenevent daraus machen. Das traditionelle, das kommerzielle Straßenfest hat gesiegt, wir haben verloren, und wir werden es nicht ein zweites Mal versuchen ohne ganz viel Rückendeckung. Wir sind regelrecht geschlachtet worden und das hat sehr, sehr weh getan, wie wir verleumdet worden sind. Es sind am Ende die übrig geblieben, die an Festen richtig fett Geld verdienen. Und die gelten dann als die Straßenfeste Kölns.

Hartmut Priess
Da möchte ich auch die jungen Gruppen loben, die sich kritisch einbringen. Ich hab gehört, dass Kasalla hier öfter war, und wenn ich jetzt auf der großen Bühne nicht mehr dabei bin, freue ich mich aber, dass die Bewegung um „Loss mer singe“ jede Menge Gruppen hervorgebracht hat, die in Köln hier eine gute Rolle spielen. Mich stört es etwas, dass es so viele sind, dass man den Überblick verliert, aber ich hab mit einigen zu tun gehabt, und das war durch die Bank erfreulich. Um jetzt die Bekannteren zu nennen: Das war Kasalla, war Cat Ballou oder Querbeat. Es ist schön, dass das so weitergeht, und es kommen Gedanken in den Liedern vor, die der Stadt gut tun. Insofern hab ich eigentlich ganz gerne aufgehört, weil ich sehe, dass es andere gut weitermachen.

Hans Mörtter
Also es sind auch die Lieder, die uns hier in Köln zusammen schweißen.
Zum Schluss möchte ich noch ein Projekt erwähnen, das wir gerade auf den Weg gebracht haben: „Köln zeigt Haltung“. Ich glaube, das kennt ihr. Wir haben letzte Woche einen Vorschlag unterbreitet an die Oberbürgermeisterin und die Fraktionsvorsitzenden des Rates. Darin bitten wir unter anderem, dass der Rat beschließen möge, die Patenschaft über die Seawatch 3 zu übernehmen. Köln hat eine Patenschaft über die Fregatte Köln, das ist ein Kriegsschiff, und dann kann es genauso möglich sein, dass wir eine Patenschaft übernehmen für ein Schiff, das Menschen vor dem Ertrinken rettet. Dazu gehört dann aber die Verpflichtung, die Menschen, die von der Seawatch gerettet werden, in Köln aufzunehmen, so wie Neapel das vorgemacht hat, als Bekenntnis der Bürger einer Stadt: Wir lassen niemanden ertrinken.

Danke an Cornel Wachter, der einfach umtriebig bis zum Gehtnichtmehr ist, unser wunderbarer gemeinsamer Freund. Der wusste, dass diese Schallplatte hier bei einem Brand bei dir zu Hause vernichtet worden ist. Das kriegst du also als Dankeschön, Cornel hat’s besorgt.

Hartmut Priess
Vielleicht können wir die mal herumgehen lassen. Wir sind ja hier in einer Kirche, dann krieg ich sie auch wieder. Ich glaube, das macht noch Spaß am Ende. Es ist eine Langspielplatte, die sich mit Liedern aus Köln von der Schlacht von Worringen bis heute beschäftigt. Die originalen Lieder von der Schlacht von Worringen gibt es nicht mehr, aber wir haben ein Lied über Kölner Stadtgeschichte gemacht. Es beschreibt den Kampf um Freiheit in Köln, von 1288 bis heute, und wenn man das Cover umdreht, sieht man kämpfende Ritter. Das ist ein Teil der Manesse-Handschrift, ein Original aus dieser Zeit. Auf der Rückseite, wenn ihr das Ding umdreht, seht ihr, um was die Leute gekämpft haben und was heute übrig geblieben ist. Das Bild auf der Rückseite gehört zu meinen absoluten Lieblingsbildern, die hier mal in Köln veröffentlicht worden sind.

Hans Mörtter
50er-Jahre, ein sehr korpulenter Mensch auf einem Heimtrainer.

Hartmut Priess
Reicht es mal rum, es ist ein Blick auf die Geschichte, der doch ein bisschen Spaß macht.

Hans Mörtter
Wir singen jetzt noch ein Lied, dass Gaby Falk getextet hat, die im Karnevalsgottesdienst et Marieche spielt. Sie hat sich eurer Stammbaum-Lied vorgenommen und aktualisiert, und in dieser Fassung habt ihr ihn auf dem Blatt, das singen wir jetzt. Ich hatte Hartmut damals extra gefragt, ob wir das singen dürfen, weil wir den Refrain und die Melodie ja benutzen, nur dass der Text ein neuer ist. Da hat der Hartmut gesagt: Ja, super, klasse, das haben wir 2015 in der Philharmonie zu unserer Flüchtlingsveranstaltung mit dem Gürzenich-Orchester aufgeführt. Kafi, Bömmel und du, ihr wart mit dabei. Es war herrlich. Aber danke euch für den Stammbaum, denn der ist nun mal ein großes, großes Kölner Bekenntnis. Und ich danke dir auch für dieses Gespräch, dein Sein und alles, was du in dieser Stadt mit angezettelt hast.

29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: Leonie Handrik

Hartmut Priess und Pfarrer Hans Mörtter bei der Vorbesprechung
Foto: Helga Fitzner

29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: Lothar Wages

Hartmut Priess macht sich für die Jugend stark, Foto: Lothar Wages

29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: Lothar Wages

Hans Mörtter und Hartmut Priess haben viele Gemeinsamkeiten, Foto: Lothar Wages

29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: Lothar Wages

Hartmut Priess blieb nach dem Talkgottesdienst noch eine Weile im Gemeindesaal
Foto: Lothar Wages

29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: L. Handrik

Gitarrist Hartmut Priess (re. außen) mischte seit 1970 bei den Bläck Fööss mit
Pressefoto von Leonie Handrick

29. Kölner Talkgottesdienst mit Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Moderation Pfarrer Hans Mörtter, Foto: Leonie Handrik, Grafik: Hermann Vogel