Krieg darf nicht Gottes Wille sein

Statement von Hans Mörtter nach dem 11. September 2001

Klar, dass uns das Schicksal der Terroropfer vom 11. September erschüttert und bewegt. Nicht klar ist, warum uns die täglich 35.000 an Hunger sterbenden Kinder nicht erschüttern. Nicht klar ist, warum anscheinend kaum jemand nach dem „WARUM?“ fragt. Eine grundsätzliche Frage, auf die es menschliche Antworten gibt und vor der wir uns nicht davonstehlen können, indem wir sie billigerweise Gott zuschieben.

Bundeskanzler Schröder weist die Gewerkschaften mit ihrem Votum gegen den Krieg in Afghanistan zurecht, indem er sagt, dass sie von Außenpolitik keine Ahnung hätten. Im Klartext: Menschen, die eigenständig denken, wird die Kompetenz zum Denken abgesprochen. Ich denke, es ist längst überfällig, dass wir Menschen den Politikern nicht allein die Welt überlassen und endlich anfangen, selbst zu denken. Deswegen planen wir an der Lutherkirche mit dem WDR-Journalisten Curt Hondrich ein Forum „BürgerInnen-Gespräch“ unter der Voraussetzung, dass jeder Mensch als Mensch eine Kompetenz hat, mit-reden zu können.

Die christliche Position zum Krieg ist unmissverständlich und wird 1934 von Dietrich Bonhoeffer so auf den Punkt gebracht: „Die christliche Kirche antwortet: Der menschliche Wille muss konfrontiert werden mit dem Gebot: ‚Du sollst nicht töten’. Gott dispensiert nicht von der Erfüllung seines Gebotes. Der Mensch wird durch Übertretung vor Gott schuldig. Der Gott der Bergpredigt richtet ihn.

Auf den Einwand: Der Staat muss erhalten werden – antwortet die Kirche: Aber du sollst nicht töten. Auf den Einwand: Der Krieg schafft Frieden, antwortet die Kirche: Aber du sollst nicht töten. Auf den Einwand: Der Krieg schafft Frieden, antwortet die Kirche: Das ist nicht wahr, sondern der Krieg schafft Vernichtung. Auf den Einwand: Das Volk muss sich schützen, antwortet die Kirche: Hast du es schon einmal im Glauben gewagt, Gott deinen Schutz anheim zu stellen im Gehorsam gegen sein Gebot? Auf den Einwand: Die Liebe zum Nächsten zwingt mich dazu, antwortet die Kirche: Wer Gott liebt, hält seine Gebote. Auf die Frage: Was soll ich denn tun?, antwortet die Kirche: Hab’ Glauben an Gott und sei gehorsam. Dem säkularen Pazifismus (siehe Kriegsposition der Grünen) antwortet die Kirche: Maßstab unseres Handelns ist nicht die menschliche Wohlfahrt, sondern Gehorsam gegen Gottes Gebot. Selbst wenn Krieg Wohlfahrt bedeutete, bliebe Gottes Gebot unerschüttert.“

Gewalt als „letztes Mittel“ erhält den Kreislauf der Gewalt, anstatt ihn zu durchbrechen, schafft neues Unrecht und neuen Hass. Es ist wirklich an der Zeit, dass wir Menschen in Europa wieder eigenständig denken lernen, auch wenn unserer Regierung das nicht lieb sein mag.

Text: Hans Mörtter