„Erbschaften – Die Kriegskinder“

Ausstellung vom 29. April bis 19. Mai 2012
von Cornelia Enax

Es war ein eher unscheinbarer Karton, den die Malerin Cornelia Enax eines Tages im Nachlass ihrer Mutter fand. Er enthielt 375 säuberlich eingeklebte und beschriftete Fotos, die ihr Großvater während des Zweiten Weltkrieges aufgenommen hatte. Die 1955 geborene Künstlerin hat diesen Karton als Erbe verstanden und sich künstlerisch mehrfach damit auseinandergesetzt. Die Fotos sind eine Dokumentation des Aberwitzes von Krieg. „Ich habe damit die Büchse der Pandora geöffnet, aber ich werde sie nicht wieder schließen“, meint Cornelia Enax entschlossen. Das Öffnen der Büchse der Pandora brachte, der Mythologie nach, einst das Böse in die Welt. Sie wurde geschlossen, bevor das einzig Gute darin, die Hoffnung, entweichen konnte.

In der Auseinanderetzung mit dem Grauen und der Grausamkeit des Krieges fiel Enax die Besonderheit der Kinderfotos auf. Kinder verarbeiten den Schrecken anders als Erwachsene. Die Weitergabe dieser Traumata an die nächste Generation, die der Kriegsenkel, beschäftigte sie fortan, weil auch sie sich als Betroffene fühlt. Sie lernte den Journalisten und Theologen Curt Hondrich kennen, der sich ausgiebig mit der transgenerationalen Weitergabe von Kriegstraumata beschäftigt und im Jahr 2010 am alljährlichen Themengottesdienst der Lutherkirche  „Die vergessene Generation“ teilnahm.

Mit ihren Bildern will Cornelia Enax den Kriegskindern ein Denkmal setzen und den nachgeborenen Generationen Anregungen geben, indem sie das Verdrängte sichtbar macht. Die Mohnblume hat für ihre Kunst eine besondere Bedeutung, weil sie nach britischer Tradition ein Geschenk der Lebenden an die Toten ist.

In der Lutherkirche werden rund 25 Bilder zu sehen sein, darunter sechs großformatige, die sie 'Erbschaften' nennt, weil sie das Thema angenommen hat und, wie Curt Hondrich, meint, dass nur die Verarbeitung dieser Traumata auf Dauer zum Erlernen von gewaltfreien Konfliktlösungen führen kann.

Text: Helga Fitzner
Fotos: Sonja Grupe

“Maikäfer flieg! Nicht nur Dein Vater ist im Krieg.
Auch Du bist mitten drin. Auf den Fotos meines
Großvaters bist Du putzige Staffage, genau so nett
wie die diversen Kompanie-Hunde. Alles sieht so
harmlos aus. Auch die Bildunterschriften zeigen nur
gelegentlich die grausame Wirklichkeit, der Du als
Kriegskind ausgesetzt warst. Nicht mal einen Namen
hast Du. Tapfer lächelst Du in die Kamera und hinter
Deinem Lächeln ist die Entschlossenheit zu sehen,
Dein Leben zu meistern. Heute bist Du Hauptdarsteller.
Ich gebe Dir ein Gesicht. Ich gebe Dir einen Namen.
Jean-Pierre, niemand nahm Dich in den Arm, als Du
es am nötigsten brauchtest. Über die Narben Deiner
Seele wächst kein Gras.“ 
Cornelia Enax

Bericht auf kirche-koeln.de

Mehr zum Themenkomplex finden Sie unter
"Vergessene Generation"