Talkgottesdienst mit Friedrich Nowottny und Moderator Gerd Krebber, Foto. Lothar Wages

Talkgäste der Lutherkirche Köln

Pfarrer Hans Mörtter versteht Kirche dialogisch

Hans Mörtter findet immer wieder interessante Gesprächspartner und Gesprächs-partnerinnen, die mit einem "Thema" in die Lutherkirche kommen. Das "Thema" kann ein Anliegen sein, eine besondere Leistung, das Lebenswerk oder die Persönlichkeit an sich.

Die Idee zu diesem eigenen Gottesdienstformat entstand vor mehreren Jahren, als der Schauspieler Peter Clös bei einer Veranstaltung Hans Mörtter öffentlich interviewte. Da standen er und seine Ideen für eine zukunftsorientierte Kirche im Vordergrund. Hans Mörtter empfand das als sehr angenehm, und so kam die Idee auf, Talkgäste in die Lutherkirche einzuladen und von Peter Clös als Moderator befragen zu lassen. Kirche ist dabei ein geschützter Raum. Der Mensch und das, was ihn besonders, vielleicht sogar beispielhaft macht, steht dabei im Vordergrund. So sind im Lauf der Jahre viele Gespräche, überwiegend mit Prominenten, zusammen gekommen.
 
Zum 1. Talkgottesdienst 2006 erschien der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum, der heute noch den Erhalt der Demokratie erstreitet und erfolgreich deren Aushöhlung verhindert. Michael Horbach setzt sich für eine gerechtere Finanzordnung ein. Elias Bierdel kämpft gegen das Massensterben von afrikanischen Flüchtlingen an Europas Außengrenzen. So ist im Laufe der ersten Jahre schon eine ganz beachtliche Zahl von Gästen, darunter auch viele Prominten, und Themen zusammen gekommen und auch unser Moderatoren-Team hat sich erweitert. Die Talkgottesdienste wurden alle dokumentiert. In der linken Spalte finden Sie die Links zu den einzelnen Gästen, denen wir an dieser Stelle sehr herzlich für Ihre Mitwirkung danken möchten.

Text: Helga Fitzner
Fotos: Lothar Wages

Interview mit Hans Mörtter: Warum Talkgottesdienst

Die Moderatoren der Talkgottesdienste

Nicht nur unsere Talkgäste sind interessante Persönlichkeiten, sondern auch unsere Moderatoren, die wir Ihnen auch gerne vorstellen wollen. 

Gerd Krebber, Journalist,  Autor und Moderator

Gerd Krebber WDR moderiert den Kölner Talkgottesdienst mit Friedrich Nowottny, Foto: WDR Köln

Gerd Krebber bezeichnet sich selbst als kölschen Immi (dat kütt von „Immigrant“, nicht von „imitiert“). Gebürtig aus Dortmund hat er mehr als die Hälfte seines Lebens in der Stadt am Rhein verbracht. Studium in Köln, Gründung des freien Theaters „Comedia“ in der Löwengasse und über zwanzig Jahre freier Mitarbeiter beim WDR. Als Fernsehautor und Moderator für das Studio Köln interessiert er sich für kölsche Themen und bringt Menschen aus Köln (und Umgebung) vor die Kamera. Daraus entstanden sind verschiedene Serien für die Lokalzeit Köln, unter anderem auch die Kultserien

„Krebbers Kochzeit“, „In der Kneipe“ und „Krebbers Kneipenzeit“. Zu diesen Serien sind zwei Bücher im Bachem–Verlag erschienen: Krebbers Kölner Kneipen und Krebbers Kneipen in Köln und Umgebung.

Seit Oktober 2009 zählt Gerd Krebber zum Moderatoren-Team der Kölner Talk-Gottesdienste. Sein erster Talk-Gast: Friedrich Nowottny, der ehemalige Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Gerd Krebber versteht es immer wieder Kultiges, Genießerisches und Qualität unter einem Dach zu vereinen.

Text: Helga Fitzner
Foto (c) WDR Köln

Burkhard Müller, Pfarrer und Superintendent i. R. aus Bonn

Burkhard Müller moderiert den Talkgottesdienst an der Lutherkirche mit Frank Lehmann, Foto: Lothar Wages

Burkhard Müller wurde 1938 in Herford geboren. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Bonn, Heidelberg und Tübingen hatte er seine erste Pfarrstelle in Oberhausen inne. Von den Hüttenarbeitern und Bergleuten in der Mitte des Ruhrgebiets sagt er heute noch, dass sie ihn sehr geprägt haben. Eine weitere Station war Bonn, wo er 1990 zum Superintendenten gewählt wurde.

Seit 2001 befindet sich Burkhard Müller im Ruhestand, der bei dem fünffachen Vater alles andere als ruhig ausfällt. Burkhard Müller ist nach wie vor umtriebig. Von 2001 bis 2007 gehörte er bei der ARD zum Sprecher-Team

der „Wort zum Sonntag“-Sendungen und hält seit vielen Jahren im Rundfunk Morgenandachten. Als langjähriger Vorsitzender der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bonn setzt er sich dafür ein, die Einheit der Christen zu fördern. Auch Kulturmanagement ist ihm nicht fremd, wenn es um den Förderkreis „Musik in der Kirche“ geht. Etwa 30 Konzerte veranstaltet er mit seinem Team in der Trinitatis-Kirche Bonn. Er ist dort auch Chor- und Orchesterleiter.

Seine größte Leidenschaft ist aber wohl das Predigen, und so hatte die Lutherkirche 2007 schon einmal das Vergnügen, ihn als Gastprediger erleben zu dürfen. Seine Worte laden zum Denken ein und lösen manchmal Aufruhr aus wie unlängst, als er den Opfertod-Mythos von Jesus Christus hinterfragte.

Als es anstand, das Moderatoren-Team für die Talk-Gottesdienste an der Lutherkirche zu erweitern, stand er ganz oben auf der Wunschliste, insbesondere weil der Auseinandersetzung mit Glaubensfragen ein größeres Spektrum eingeräumt werden soll. Am 31. Januar 2010 moderierte Burkhard Müller seinen ersten Kölner Talk-Gottesdienst in der Lutherkirche. Sein Gast war der Börsenexperte Frank Lehmann.

Text: Helga Fitzner
Foto: Lothar Wages

Peter Clös, Schauspieler, Schauspielcoach und Moderator

Peter Clös moderierte in den ersten Jahren den Kölner Talkgottesdienst an der Lutherkirche, Foto: Helga Fitzner

Er wird 1956 in Bad Laasphe (zwischen Marburg und Siegen) geboren. Dort macht er mit 19 Jahren das Abitur. Seine Eltern erziehen ihn nach christlich-pietistischen Maßstäben und wünschen sich, dass er Pfarrer wird. Er selbst kann sich eine Berufstätigkeit als Lehrer vorstellen. So studiert er ein Jahr lang in Marburg Germanistik und Evangelische Theologie. Er gibt das Studium dann aber auf. "An der Theologischen Fakultät hat mich erschreckt, dass die auch nicht wussten, wo Gott wohnt. Ich hatte auf Antworten gehofft, nicht auf neue Fragen. Gott war für die nur ein Wissenschaftsobjekt", begründet er diese Entscheidung.

Ihm ist klar, dass er in keinem dieser Berufe glücklich werden würde. "Wenn man eine Weiche falsch stellt, werden alle folgenden Weichen auch falsch", meint er.
Er gibt zu, im Leben seine innere Stimme sehr oft überhört zu haben. Als er sich an einer Schauspielschule bewirbt, folgt er jedoch seiner Intuition. Er wählt das renommierte Max-Reinhardt-Seminar in Wien. "Diese Schule war damals das Mekka für werdende Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Zu meiner großen Überraschung  - die bis heute anhält - wurde ich 1976 auf Anhieb aufgenommen. Die Ausbildung dort war konservativ-klassisch. Es wurde viel Wert auf Sprache gelegt. Zum Unterricht gehörten aber auch klassischer Tanz, Akrobatik und Fechten. Ich war in meinem ganzen Leben nie durchtrainierter als zu dieser Zeit", sagt er.


Vom engen Pietismus der 50er Jahre hat er sich distanziert, fühlt sich aber christlichen Werten verbunden. "Ich glaube, dass ich ein mitfühlender Mensch bin ohne Parteizugehörigkeit. Ich möchte mich keiner Institution mit Leib und Seele verkaufen - auch keiner christlichen. Was Institutionen aus Religion machen, geht am tatsächlichen Wesen und Geist der jeweiligen Religion oft meterweit vorbei. Ich mag es nicht, wenn Gott für irdische Ziele instrumentalisiert wird. Das haben er - und wir - nicht verdient." Die Unterschiede zwischen dem gewählten Beruf und den nicht gewählten haben sich im Lauf der Jahre bei ihm aufgelöst. "Ich glaube, dass die drei Berufe sehr verwandt sind. Und je länger ich drüber nachdenke, um so ähnlicher werden sie. Ein guter Beleg wäre z.B. der Gottesdienst in der Lutherkirche, der sich ja oft durch hohe inszenatorische, schauspielerische Anteile auszeichnet. Letzten Endes ist es einerlei, wo man ist. Ob ich die Kirchensynode, das Kultusministerium oder einen Intendanten ertragen muss: Irgendeinen hast Du immer über Dir und ganz frei bist Du nirgends. Ich unterrichte mittlerweile ja auch Schauspiel. Das, was ich gelernt habe, gebe ich weiter. Also bin ich Lehrer, Pfarrer und Schauspieler in einem. Lehrer bin ich, indem ich das vermittle. Pfarrer bin ich, indem ich an das glaube, was ich vermittle - und Schauspieler bin ich ohnehin."

Seit Februar 2007 moderiert Peter Clös die Kölner Talk-Gottesdienste an der Lutherkirche und tritt dort gelegentlich auch als Schauspieler auf.

Über seinen schauspielerischen Werdegang und seine Engagements informiert seine Web-Seite www.excloesiv.de/

Text und Foto: Helga Fitzner

Pfarrer Hans Mörtter moderiert die Kölner Talkgottesdienste, Foto: Lothar Wages
Pfarrer Hans Mörtter moderiert die meisten der Kölner Talkgottesdienste