28. Kölner Talkgottesdienst
am 21. Januar 2018 um 11.15 Uhr

zu Gast: Klaus-Peter Jörns, Theologe, Soziologe, Autor

„Eine Glaubensreform, die Gott ins Leben zurückholt“

Als Pfarrer Hans Mörtter anlässlich des 500jährigen Luther-Jubiläums im Oktober die „Reformation II"  ausrief, versprach er, dass dies erst der Anfang gewesen sei. Mörtter sieht die Notwendigkeit, unsere Zukunft reformatorisch neu zu gestalten, wozu auch eine globale Perspektive gehöre. Nun hat er einen hochkarätigen Mitstreiter eingeladen: Der Theologe und Soziologe Klaus-Peter Jörns  (1939 in Stettin geboren)  ist Mitbegründer der „Gesellschaft für eine Glaubensreform“ und Autor mehrerer Bücher, darunter „Notwendige Abschiede – Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum“, das 2017 in sechster Auflage erschien. Darin postuliert er eine neue Theologie im Gegensatz zur ständigen Wiederholung alter Denkmuster.

Klaus-Peter Jörns über seine Motivation, die durch ihre leisen Töne besticht: „Es gibt ein Ereignis in meinem Leben, das mich mir als Theologen und der Theologie gegenüber skeptisch gemacht hat: Die Gespräche mit meiner Mutter an ihrem Sterbelager. Denn durch diese Gespräche ist mir zweierlei klar geworden: Dass meine Mutter das, was mich bis dahin beschäftigt hatte – eben die Theologie und ihre Verästelungen - kaum berührt hat; und dass das, was meine Mutter kurz vor ihrem Tod beschäftigte, in der Theologie so gut wie gar nicht vorkommt. Ihr war es zum Beispiel wichtig, ob sie meinen damals schon fast 30 Jahre toten Vater und meinen zwei Jahre vorher gestorbenen Bruder wiedersehen würde. Ja, sie war sich sicher, dass es so sein werde. Denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass sich die Liebe, die sie mit ihrem Mann und meinem Bruder verbunden hat, in nichts auflösen könnte. Auferstehung als Problem aber hat sie nicht interessiert. Wichtig war ihr Glaube: Für die Liebe gibt es keine Grenzen und kein Vergebens. Doch wo redet Theologie davon, was aus unserer Liebe wird, wenn die geliebten Menschen nicht mehr da sind? Damals ist mir klar geworden, dass wir aufhören müssen, Menschen zu sagen, was sie glauben sollen. Zuerst einmal sollten wir fragen, was wir wirklich glauben, was uns im Herzen bewegt und was uns hilft, das zugleich schöne und schreckliche Leben zu ertragen - und auch zu genießen. Darum brauchen wir eine Glaubensreform, die Gott ins Leben zurückholt und mit den elementaren Kräften verbindet, die das Leben voranbringen: mit Geist und Liebe.“


Webseite von Klaus-Peter Jörns
Gesellschaft für eine Glaubensreform e. V.

Klaus-Peter Jörns stellt sich vor

"Die Kölner Südstadt ist mir gut bekannt: 1951 ist meine Familie in die Kaesenstraße gezogen, 1954 bin ich in der Kartäuserkirche konfirmiert worden, und von 1964 bis 1966 war ich Vikar im Kirchenkreis Köln-Süd in Brühl. Von 1968 bis 1978 war ich rheinischer Pfarrer in einer Hunsrückgemeinde. Ab 1978 habe ich VikarInnen ausgebildet und von 1981-1999 in Berlin Praktische Theologie und Religionssoziologie gelehrt. So bin ich Schritt um Schritt hineingewachsen in das theologische Denk- und kirchliche Glaubenssystem. Doch als ich darin 'angekommen' war, war es mir schon zu eng geworden, und ich suchte Wege nach außen. Geholfen haben mir dabei vor allem meine Frau, die mir als Psychoanalytikerin neue Perspektiven und damit eine Innenbetrachtung des kirchlichen Betriebes eröffnete, und meine Neugierde, die mich zu Ausflügen in andere Wissenschaften ermunterte und zu Engagements in sozialen Aktionen. In den letzten Jahren beschäftigt mich die Arbeit an dem Projekt, die Erkenntnisse der biologischen, kognitiven und kulturellen Evolution in die Theologie einzubringen und dadurch vor allem das Menschenbild zu verändern. Wenn es denn so ist, dass wir unsere tierliche Herkunft nicht hinter, sondern bleibend in uns haben, und dass die Evolution weitergeht, dann ist der gegenwärtige Zustand der Menschheit keinesfalls als Endpunkt der Menschwerdung anzusehen, sondern als Station auf dem Wege dahin. Alle Erwartungen an uns, hier und heute vollkommen „human“ und liebevoll zu sein, übersteigen dann aber unsere Möglichkeiten. Und die am Beginn jedes normalliturgischen Gottesdienstes geübte Praxis, uns erst einmal als Sünder anzureden, die nur deshalb ein Lebensrecht haben, weil Jesus für unsere Sünden gestorben sei, verbiegt unsere Seelen. 2012 habe ich mit anderen zusammen die „Gesellschaft für eine Glaubensreform“ (www.glaubensreform.de) gegründet, die helfen will, die längst fälligen Veränderungen an unseren Glaubensvorstellungen vorzunehmen. Hans Mörtter erscheint mir dabei ein 'natürlicher' Verbündeter zu sein."
Klaus-Peter Jörns

Kölner Talkgottesdienst mit dem Theologen und Soziologen Klaus-Peter Jörns zum Thema Reformation II, Moderation Hans Mörtter, Foto: Klaus-Peter Jörns