Rolf Domning: Zur Sache

Ehemaliger Lutherkirchenpfarrer, heute Stadtsuperintendent

Stadtsuperintendent Rolf Domning, Foto: Ev. Kirchengemeinde Köln und Region

Rolf Domning wurde am 28.12.1953 in Stromberg bei Eitorf geboren, das rund 60 km von Köln entfernt liegt. Nach der Mittleren Reife studierte er Betriebswirtschaft an der Fachoberschule. Anschließend Studium der Evangelischen Theologie in Bonn. 1990 kam er als Pfarrer an die Lutherkirche in der Kölner Südstadt. Schon früh entwickelten Pfarrer Hans Mörtter und er den legendären Karnevalsgottesdienst weiter sowie den Gottesdienst unter freiem Himmel zu Himmelfahrt  mit dem stolzen Hahn Alfons und der klugen Gans Hertha.

2004 wurde Rolf Domning zum Superintendenten des Bezirks Köln-Mitte gewählt. Er wechselte an die Kartäuserkirche, an der er bis heute wirkt.

Rolf Domning hat seine Jugendliebe geheiratet, die ebenfalls aus dem Örtchen Stromberg stammt. Rolf Domning hat zwei erwachsene Kinder. Er predigt gelegentlich noch an der Lutherkirche. Aufgrund seiner Verpflichtungen als Stadtsuperintendent, zu dem er 2008 mit großer Mehrheit gewählt wurde, kann er die Karnevals- und Himmelfahrtsgottesdienste an der Lutherkirche nicht mehr mitgestalten.

Predigt von Rolf Domning zum Thema "Karikaturenstreit"

Über den Karikaturenstreit, das "Wort zum Sonntag" und eine Charta des religiösen Miteinanders
Predigt von Rolf Doming am 12. Februar 2006

Superintendent Rolf Domning, heute Hausherr der Kartause, ist gern gesehener Gast in der Lutherkirche, weil er dort bis 2004 als Pfarrer gewirkt hat. Für viele ist sein alljährlicher Auftritt unverzichtbarer Bestandteil der berüchtigten Karnevalsgottesdienste, in denen er zusammen mit Pfarrer Hans Mörtter einmal im Jahr so richtig die Post abgehen lässt. Als er am 12. Februar 2006 eine Predigt in der Lutherkirche hält, ist die Karnevalszeit zwar schon im Gange, imminent ist aber der Karikaturenstreit, der gewalttätige Formen angenommen hat. „Wenn wir in diesen Tagen über Gott und die Religionen reden, dann ist das wahrlich nicht mehr meditativ-betulich“, bedauert Domning in seiner Predigt. „Manche reden schon vom Kampf der Kulturen. Das kleine nördliche Dänemark macht Weltkarriere. Tötet die Dänen! Verbrennt ihre Botschaften! So heißt es plötzlich, weil ihre auflagenstärkste Tageszeitung Karikaturen über Mohammed veröffentlicht hat.“

In den insgesamt zwölf Karikaturen der dänischen Zeitschrift ‚Jyllands Posten’ werden beispielsweise im Jenseits ankommende Selbstmordattentäter verhöhnt. Der eigentliche Affront liegt aber in der Tatsache, dass sie den Propheten Mohammed zeigen. Genau wie im Christentum ist im Islam eine bildliche Darstellung Gottes verboten: Im Christentum heißt es im Zweiten Buch Mose, 20, 4-5 „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen“. Das ist zweite Gebot. Im Islam herrscht sogar ein absolutes Bilderverbot. Die bildliche Darstellung Mohammeds allein wäre also Beleidigung genug gewesen. Auf einem der Bilder trägt er gar einen Turban, aus dem eine Bombe mit brennender Lunte herausschaut. Diese und ähnliche Abbildungen des Friedenstifters waren der Funke, der zu einem Flächenbrand in vielen islamischen Ländern führte. „Vielleicht haben wir als Christen eine andere Tradition, ein anderes Selbstverständnis, um mit Spott und Kritik umzugehen“, fragt sich Domning. „Angesichts des Karikaturenstreits stehen wir fassungslos da, und man kann sagen: Der Satire und dem Humor wurde offensichtlich der Dschihad angedroht. In den Karnevalshochburgen gibt es schon Selbstverpflichtungen der Narren, keine islamkritischen Reden zu halten“.

Dann stellt Domning Überlegungen an, warum Christen und Muslime so unterschiedlich auf religiöse Satire reagieren. Er geht zunächst auf den Spott ein, den das Christentum zu ertragen hatte und hat. In seinen theologischen Überlegungen kommt er auf Paulus zu sprechen: „ Das Kreuz selbst, so Paulus, ist ein Skandalon. Es ist die Karikatur eines Gottes, der ohnmächtig ist und erniedrigt wurde.“ Im Christentum wandelte sich das Kreuz von einem Zeichen der Schande und Erniedrigung zum ultimativen Symbol des Triumphes. „Und Jesus, der Narr, wurde Teil eines wichtigen theologischen Entwurfs“, erklärt Domning, „das Kreuz wandelt sich zum Lebensbaum“. Im Islam hat es ein solches Phänomen nicht gegeben.

Dann zitiert er nochmals den Lesungstext, aus Jeremia, den er zu Anfang als eingängig wie ‚Das Wort zum Sonntag’ bezeichnet hatte: „Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich (Gott) kenne...“ Doch aus aktuellem Anlass wäre Domning das Gegenteil dieser Anweisung lieber. „Ja, ja, das ist gut und richtig, aber mir sind ja die schon fast lieber. die sich selbst rühmen, ihre Weisheit, ihre Stärke, ihren Reichtum als die, die sich rühmen, Gott zu kennen“, unkt er. „ Die, die sich selbst rühmen, die sind einkalkulierbar, rein menschlich in ihren Bedürftigkeiten und Widersprüchen leicht zu identifizieren. Diejenigen, die sich rühmen, Gott zu kennen, die können einem leicht unheimlich werden, egal welcher Religion sie angehören und welche Wahrheiten sie propagieren.“

Der Bibeltext richtete sich an König Jojakim, der sein weltliches Reich ganz auf Macht, Reichtum und Weisheit gründete. Der Prophet Jeremia machte sich mit seinen Äußerungen unbeliebt, in denen er den Verfall der Sitten und den Abfall vom Glauben beklagte. „Es geht dem Propheten darum, die guten Gaben Gottes ins Gedächtnis zu rufen: Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit auf Erden“ erläutert Domning weiter. „Jetzt komme ich doch ins Grübeln über den Stellenwert dieses Wortes. Das ist gar kein festliches Wort zum Sonntag, es redet den Mächtigen ins Gewissen. Es weiß um deren Unterdrückung und Demütigung des Volkes. Es ist ein mutiges Wort, ein scharfes Wort, kein übliches Wort zum Sonntag“. Im echten Wort zum Sonntag, das am Vorabend in der ARD ausgestrahlt wurde, war der Sprecher Burkhard Müller auf den Karikaturenstreit eingegangen. Zum Abschluss seiner Predigt zitiert Rolf Domning aus dieser Sendung.

Text: Helga Fitzner

(Anmerkung: Rolf Domning kann seit 2009 aufgrund seiner Verpflichtungen als Stadtsuperintendent die Karnevalsgottesdienste in der Lutherkirche nicht mehr mitgestalten).

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Das Fass läuft über

Wort zum Sonntag von Burkhard Müller

Dieses Wort zum Sonntag wurde am 11. Februar 2006 in der ARD ausgestrahlt.

Der Islam ist eine großartige Religion.
Vielen von uns ist sie fremd oder weithin unbekannt. Menschen, die den Islam lieben, bedauern zutiefst die Bilder der Gewalt in den Medien:
die abgefackelten Fahnen,
die gestürmten Botschaften,
die zertrümmerten Autos,
die aufgehetzten grölenden Massen.

Dies und anderes lässt uns von der Schönheit und Tiefe ihrer Religion wenig ahnen. Ich weiß aber, dass trotzdem manche aus meiner christlichen Kirche mit mir überzeugt sind: der Islam hat viel Segen über die Welt gebracht.

Wenn ich in Teheran geboren wäre oder in dem Armenviertel zu Djakarta, wäre der Islam auch für mich Halt und großer Hoffnungsanker. Aber nun bin ich in der christlichen Welt geboren.
Und ich bin von Herzen Christ.

Auch der christliche Glaube ist eine großartige Religion. Diese Religion ist vielen fremd und weithin unbekannt. Und es wird den Muslimen nicht leicht gemacht, die Schönheit und Tiefe der christlichen Religion zu erkennen. Die amerikanischen Soldaten im Irak werden als Besatzer erlebt. Über bombardierte Orte in Afghanistan wird berichtet. Die Bilder von Abu Ghraib, die Gerüchte von Schändungen des Koran in Guantanamo, und jetzt die gemeinen und diffamierenden Karikaturen aus Dänemark!
Die dänischen Karikaturen waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Und dieses Fass ist voll mit Demütigungen und Verletzungen der islamischen Welt durch die christliche, die westliche Welt während vieler Jahrhunderte: Die Kreuzzüge sind nicht vergessen, denn das Gedächtnis der Völker ist lang, die demütigende Kolonialisierung, der Wirtschaftsimperialismus des Westens, der nicht an den Völkern, nur an ihrem Öl interessiert ist. Wie soll man da als Muslim glauben, dass die christliche Religion viel Segen in die Welt gebracht hat! Viele Christen bedauern das zutiefst und schämen sich zwar nicht ihres Glaubens, aber dieser Geschichte.

Ich träume davon, dass irgendwann Christen und Muslime eine "Charta des religiösen Miteinanders" erarbeiten und durch ihre geistlichen Führer öffentlich feierlich unterzeichnen und dann den Mitgliedern zur Unterschrift vorlegen. Folgendes könnte die Selbstverpflichtung beinhalten:
"Wir wollen einander mit Respekt begegnen.

Wir wollen die gegenseitigen Vorurteile im Gespräch abbauen.
Wir wollen einander besser kennen lernen.
Wir wollen den Glauben des andern respektieren.
Wir wollen einmal jährlich gemeinsam feiern.
Wir Christen bitten Gott, dass er uns um Jesu willen zu wahren Christen macht.
Wir Muslime bitten Gott, dass er uns durch den Koran zu wahren Muslimen macht. Wir bitten gemeinsam um Geduld, wenn wir auf dem Weg zu einander hin nur langsam vorankommen. Gelobt sei Gott."

© ARD Fernsehen Das Erste
Burkhard Müller (Jahrgang 1938) ist bereits im Ruhestand und arbeitet als Sprecher im ARD-Team „Das Wort zum Sonntag“. Zuletzt war der fünffache Vater Superintendent in Bonn. 2009 übernahm er erstmalig die Moderation eines unserer Talkgottesdienste.

Interview mit Rolf Domning: Schleiermacher, Kirchenschließung, Karneval

Frage
Sie sind in Stromberg geboren. Wo liegt das?

Rolf Domning
Stromberg liegt im Rhein-Sieg-Kreis an der Sieg. Es ist ein Ort mit 600 bis 700 Einwohnern. Da komme ich her. Dort gibt es noch die Tradition des Erntedankumzuges mit anschließendem Gottesdienst. Als ich noch Pfarrer an der Lutherkirche war, habe ich mit der Gemeinde da gelegentlich einen Ausflug hin gemacht.

Frage
Sie sind mittlerweile Superintendent, haben aber auch  Betriebswirtschaft studiert. Wie ist das gekommen?

Rolf Domning
Ich war immer in der Evangelischen Jugendarbeit sehr aktiv und hatte schon irgendwie in meiner Lebensplanung vor, einmal Theologie zu studieren, weil das auch eine gute Berufsperspektive für mich gewesen wäre. Aber das wäre nicht gegangen, weil ich nur die Mittlere  Reife hatte. Dann bin ich über den Zweiten Bildungsweg an die Fachoberschule zum Studium der Betriebswirtschaft  gekommen. Dort habe ich die allgemeine Hochschulreife erworben. Im Anschluss an die Betriebswirtschaft habe ich mich dann für das Studium der Theologie entschieden. Denn jetzt war der Weg dafür frei.

Frage
Gab es dafür einen ausschlaggebenden Moment in Ihrem Leben?

Rolf Domning
In meinem Betriebswirtschaftsstudium habe ich mich in meiner Abschlussarbeit  wissenschaftlich mit einer sozial-ethischen Frage auseinandergesetzt: „Die Grenzen und Möglichkeiten der Partizipation aus Sicht der christlichen Soziallehre“. Darin habe ich mich mit der Mitbestimmungsdenkschrift  befasst. Das hat mir thematisch sehr gut gefallen. Dabei reifte der Wunsch immer stärker heran, in theologischer Richtung weiter zu machen.

Frage
Sie sind in Stromberg geboren. Wo liegt das?

Rolf Domning
Stromberg liegt im Rhein-Sieg-Kreis an der Sieg. Es ist ein Ort mit 600 bis 700 Einwohnern. Da komme ich her. Dort gibt es noch die Tradition des Erntedankumzuges mit anschließendem Gottesdienst. Als ich noch Pfarrer an der Lutherkirche war, habe ich mit der Gemeinde da gelegentlich einen Ausflug hin gemacht.

Frage
Sie sind mittlerweile Superintendent, haben aber auch  Betriebswirtschaft studiert. Wie ist das gekommen?

Rolf Domning
Ich war immer in der Evangelischen Jugendarbeit sehr aktiv und hatte schon irgendwie in meiner Lebensplanung vor, einmal Theologie zu studieren, weil das auch eine gute Berufsperspektive für mich gewesen wäre. Aber das wäre nicht gegangen, weil ich nur die Mittlere  Reife hatte. Dann bin ich über den Zweiten Bildungsweg an die Fachoberschule zum Studium der Betriebswirtschaft  gekommen. Dort habe ich die allgemeine Hochschulreife erworben. Im Anschluss an die Betriebswirtschaft habe ich mich dann für das Studium der Theologie entschieden. Denn jetzt war der Weg dafür frei.

Frage
Gab es dafür einen ausschlaggebenden Moment in Ihrem Leben?

Rolf Domning
In meinem Betriebswirtschaftsstudium habe ich mich in meiner Abschlussarbeit  wissenschaftlich mit einer sozial-ethischen Frage auseinandergesetzt: „Die Grenzen und Möglichkeiten der Partizipation aus Sicht der christlichen Soziallehre“. Darin habe ich mich mit der Mitbestimmungsdenkschrift  befasst. Das hat mir thematisch sehr gut gefallen. Dabei reifte der Wunsch immer stärker heran, in theologischer Richtung weiter zu machen.

Rolf Doming und Schleiermacher, Foto: Helga Fitzner Frage
Ihre Kindergottesdienste sind immer wieder eine ganz besondere Freude, insbesondere wenn „Schleiermacher“ mit dabei ist. Wie haben Sie Schleiermacher "kennen gelernt"?

Rolf Domning
Ich bin vor einigen Jahren mit meiner Frau auf dem Weihnachtsmarkt am Roncalli-Platz spazieren gegangen. Da haben wir ihn das erste Mal gesehen und ihn gefragt, ob er mitkommen möchte. Wir wollten einen Typ mit ihm gestalten. Die ersten Versuche im Gottesdienst gelangen. Dann mussten wir nach einem Namen suchen. Schleier-macher ist ein Religionsphilosoph, bei ihm, dachte ich, ist vielleicht die größte Toleranz, wenn man ihn mit einer Handpuppe, ehm einem Mitstreiter in Verbindung bringt.  Der Name Schleiermacher hat sich dann einfach von der Lautsprache her als sinnvoll erwiesen. Die Kinder rufen das gerne. Den Namen kann man auch schön lang ziehen. Der ist für Kinder sehr phantasieanregend.

Frage
Schleiermacher sitzt im Gottesdienst meist schlafend in seinem Stühlchen und wird nur zwischendurch „geweckt“, wenn es spannend wird. Er hat immer irgendwelche verrückten Accessoires oder Ideen, die dann thematisiert werden. Ansonsten ist er sehr verschnarcht, wie er so dasitzt, während Sie als Pfarrer und als Superintendent immer ein ziemliches Arbeitspensum zu bewältigen haben. Wenn Sie dem Schleiermacher dann manchmal so liebevoll durch die Haare wuscheln, könnte man sich fragen, ob er nicht ein erträumtes alter ego von Ihnen ist, so nach dem Motto: „Ich möchte auch mal ruhig auf dem Stühlchen sitzen, mit Taucherbrille oder mit Sonnenbrille, ohne Plan und so verschnarcht in den Tag hineinleben.“

Rolf Domning
So habe ich das noch nicht gesehen. Wer weiß! - Das hat einfach die Gründe darin, dass ich nur zwei Arme habe und ich ganz froh bin, wenn er „schläft“.

Frage
Weil, er nervt ja auch ein bisschen.

Rolf Domning
Weil er nervt und weil ich mich im Vorfeld zu wenig mit ihm beschäftige. Da ist es immer gut, wenn er nur eine Statistenrolle spielt. Das ist entlastender für mich, als wenn ich ihn dann wirklich die ganze Zeit in die Hand nehmen muss und mit ihm spielen.

Frage
Denn er hat ja ein Eigenleben!?

Rolf Domning
Er hat ein absolutes Eigenleben. Der braucht auch nur versteckt irgendwo zu sitzen. Da ist er schon sehr präsent.

Frage
Sie sind nicht nur Pfarrer, sondern haben als Superintendent noch erweiterte Verantwortung übernommen. Wie sieht das konkret bei Ihnen aus?

Rolf Domning
Ein Superintendent hat verschiedene Aspekte seines Wirkens. Es gibt den Zusammenschluss der Kirchengemeinden eines Kirchenkreises. Bei uns in Köln gibt es vier Kirchenkreise, die zusammen einen Verband bilden. Das ist der Kirchenverband, der viele Ämter und Einrichtungen hat. Unter den Superintendenten in Köln gibt es eine Aufteilung der verschiedenen Aufgaben. Da habe ich den Bereich der Seelsorge übernommen. Ich bin der zuständige Ansprechpartner bei inhaltlichen Fragen und auch bei Fragen der Refinanzierung, zum Beispiel.

Frage
Seelsorge und Refinanzierung? Wie passt das zusammen?

Rolf Domning
Die Krankenhausseelsorge findet ja in Krankenhäusern statt. Das ist nicht nur die Seelsorge der Kranken, sondern auch die der Mitarbeitenden. Das schließt Fortbildungen mit ein. Wir versuchen auch, unsere protestantischen Werte und Vorstellungen mit einzubringen. Insofern bringen Krankenhausseelsorger und –seelsorgerinnen auch sehr viel in die Krankenhäuser mit ein. Daher wollen wir, weil unsere Mittel immer knapper werden, versuchen, für unsere seelsorgerische Arbeit eine Refinanzierung von den Krankenhausträgern zu bekommen. Wir machen da wirklich viel. Ein anderer Bereich ist die Telefonseelsorge. Da bin ich der Ansprechpartner für Dienstgespräche. Dann muss ich als Superintendent auch immer wieder Grußworte sprechen, wenn ein Zentrum eröffnet wird im Krankenhaus oder bei anderen Veranstaltungen.

Frage
Sie haben immer so eine festliche Ausstrahlung bei solchen Gelegenheiten.

Rolf Domning
Ja? Das mache ich auch gern, wenn es mit persönlichem Kontakt einhergeht. Bei Grußworten ist mir das manchmal etwas zu anonym. Ich habe als Superintendent einige repräsentative Aufgaben zu erfüllen, im Bereich der Stadt und der Kirche.

Frage
Was machen Sie innerhalb des Spektrums Ihrer Arbeit am liebsten?

Rolf Domning
Das sind schon die Gottesdienste mit den Kindern. Wir bereiten die in der Kindertagesstätte vor. Das habe ich in den Jahren an der Lutherkirche mit Pfarrer Hans Mörtter gemacht. Das ist etwas sehr Fröhliches und das frischt einem das eigene Seelenleben auch auf. Das mache ich als Ausgleich sehr gerne. Aber ich könnte jetzt schlecht sagen, dass es mir das Liebste ist, aber es mir häufig das Liebste. Mein Amt ist ein Amt, in dem man auch sehr viel Freiheit hat. Man hat schon viel Gestaltungsspielraum oder, besser gesagt, einen anderen Spielraum, als ihn ein Gemeindepfarrer hat.

Frage
Sie waren insgesamt 14 Jahre lang Pfarrer an der Lutherkirche. Vermissen Sie diesen „verrückten Haufen“ etwas? Ist die Kartause, unsere schöne Schwester, anders?

Rolf Domning
Ja, die Kartäuserkirche unterscheidet sich sehr von der Lutherkirche. Mir ist die Kartause sehr lieb geworden, auch von den Gebäuden her, von der Geschichte her, die man da atmet. Wir wollen das bewusst so gestalten, dass die Kartause anders ist und dass das genau so zu Kirche dazu gehört. Genau so wie die „Verrücktheit“ an der Lutherkirche auch zu Kirche gehört. Wir sind letztendlich auch einverstanden, dass an der Kartause die Gottesdienste früher stattfinden. Da klagen vor allem Jüngere drüber, vor allem die Eltern aus dem Kindertagesstättenbereich. Aber wir können nur wirklich weiterkommen, wenn wir versuchen, die verschiedensten Bedürfnisse anzusprechen. Wenn ich sage, es ist anders, dann ist es nicht besser oder schlechter, ist ganz einfach anders. Ich fühle ich mich damit wohl. Und dadurch, dass ich auch immer wieder an die Lutherkirche komme und auch gerne komme, bleibt mir von dem „Verrückten“ einiges erhalten. Und das Ganze, ohne an der Lutherkirche für die organisatorischen Sachen mehr verantwortlich zu sein.  Das kann ich dann auch um so mehr genießen.

Frage
Leider geht es in den Kirchengemeinden nicht immer so fröhlich und unbeschwert zu, auch wenn in Ihren Gottesdiensten sehr viele schöne Momente zu erleben sind. Einer der schrecklichsten Momente in den letzten Jahren war die Entwidmung des Jeremia-Hauses. Ging Ihnen das auch unter die Haut?

Rolf Domning
Ja, weil ich auch eine Funktion hatte. Ich hatte die Kerzen auszublasen.

Frage
Das war ein ganz schlimmer Augenblick.

Rolf Domning
Das war es auch. Als wir ein paar Wochen später noch die Kreuzkirche schließen mussten, wurde mir gesagt: Bei uns blasen Sie aber nicht die Kerzen aus. - Auf der anderen Seite ist es ein Abschiedsritus. Die Trauer gehört mit dazu. Wir hatten im Vorbereitungskreis des Jeremia-Hauses auch darüber gesprochen. Die wussten, dass ich die Kerzen ausblasen würde. Aber da konnte man wirklich erleben, wie sehr Menschen an so einem Gebäude und an einem Raum hängen, in dem sie so vieles erlebt haben, wo sie vielen Träumen nachgegangen sind, oder viele Erkenntnisse gewonnen haben, oder auch Enttäuschungen erlebt. Das alles kann man verbinden. Es war ein Ort, in dem Gott wirkte und den Menschen nahe kam. Gott wirkt zwar überall, aber in einem Kirchenraum ist das noch einmal konzentrierter und spürbarer.

Frage
Haben von den ehemaligen Gemeindegliedern des Jeremia-Hauses viele das Angebot angenommen, an die Kartause zu kommen?

Rolf Domning
Einige schon. Die Älteren werden mit dem Kleinbus abgeholt und zurückgebracht. Leider klappt das nicht immer so gut, wie wir es uns wünschten. Einige kommen zu Fuß oder mit der Bahn. Einige kommen nicht. Die haben sich anderweitig orientiert. Sie gehen, zum Beispiel, in die Christuskirche (Nähe Friesenplatz). Friedrich Karl Weber, der ehemalige Pfarrer des Jeremia-Hauses, arbeitet nicht nur an der Kartause, sondern kümmert sich auch mit um die Christuskirche. Die gehen dann aus Solidarität zu ihm da hin.

Frage
Prinzipiell kann man aber sagen, dass die Kartäuserkirche immer offen ist und Pfarrer Weber an der Kartause ist und bleibt. Er ist als Seelsorger immer ansprechbar für seine einstige Gemeinde?

Rolf Domning
Ja. Herr Weber ist übrigens viel seelsorgerisch tätig, auch am Clara-Elisen-Stift, unserem Seniorenheim.

Frage
Kommen wir wieder zu den erfreulicheren Erlebnissen Ihrer Tätigkeit. Sie sind 2007, dem Jahr des Evangelischen Kirchentages in Köln, auf einem Wagen des Rosenmontagszuges mitgefahren, der den Evangelischen Kirchentag zum Thema hatte. War das ein Höhepunkt?

Rolf Domning
Das war toll. Das war klasse. Das werde ich nicht vergessen.

Frage
Was machen Sie, wenn Sie nicht Pfarrer und Superintendent sind?

Rolf Domning
Ich weiß nicht recht. Ich habe bis zu meinem 35-sten Lebensjahr im Verein Fußball gespielt. Ich spielte danach noch in der Kirchenkreismannschaft, wenn der Präses-Pokal ausgerichtet wurde. Aber ich denke, dass ich das jetzt Jüngeren überlassen sollte. Ansonsten wohnen wir in einem wunderschönen Häuschen an der Kartäuserkirche. Ich genieße unseren Garten, die Gartenarbeit, manchmal sogar das Rasenmähen.

Frage
Machen Sie das zur Entspannung?

Rolf Domning
Um irgendwie etwas zu machen. Boden zu beackern, da im Garten herumzuwirken, das macht mir zum Ausgleich hin und wieder Spaß.

Frage
Klar. Sie sind ja auf dem Lande groß geworden.

Rolf Domning
Das hat mich schon sehr geprägt. In meiner Kinder- und Jugendzeit habe ich mich viel in der Natur aufgehalten. In meiner Kindergartenzeit waren wir öfter auf uns selbst gestellt. Viele unserer Spiele haben wir selbst erfunden.  Das Dorf, aus dem meine Frau und ich stammen, war übrigens bis zu 98,5 % evangelisch in einer sonst völlig katholischen Umgebung. Wir Protestanten hatten eine kleine Kapelle für uns. Eine katholische Kirche gab es gar nicht.

Frage
Das muss doch ein tolles Gefühl gewesen sein, ausnahmsweise nicht als Minderheit mitten im katholischen Rheinland aufzuwachsen!?

Rolf Domning
Klar. Wir hatten nur vier Katholiken in der Schule. Aber die haben wir auch mitfeiern lassen.

Frage
Vielleicht lugte ja damals schon der künftige Pfarrer durch.

Rolf Domning
Vielleicht!?

Text: Helga Fitzner
Das Interview führte Helga Fitzner am 1. Mai 2008

Rolf Domning mit Fussballmannschaft: Foto: Ute Stephanie Mansion
Rolf Domning (Mitte unten) mit Fussballmannschaft Foto (c) Ute Stephanie Mansion