3. Kölner Talkgottesdienst am 12.08.2007
zu Gast: Dieter Wellershoff

Schriftsteller, Essayist

EIN ATHEIST IN DER LUTHERKIRCHE

Der Text wurde von Helga Fitzner nach der Aufzeichnung vom Gottesdienst redigiert. Herr Wellershoff hat im Anschluss seine Ausführungen noch schriftlich ergänzt, so dass weit mehr als nur ein redigiertes Transkript vorliegt, sondern eine ausführlichere literarische Fassung.

Fotos: Christel Plöthner
Buchcover mit freundlicher Genehmigung von Kiepenheuer & Witsch

Talk Teil 1:  "Ein Horizont von Möglichkeiten"

Peter Clös
Herr Wellershoff, müssen wir wegen der heutigen Einladung ein schlechtes Gewissen haben, weil wir Sie vom Schreiben abhalten?

Dieter Wellershoff
Nein, denn zum Schreiben gehört auch, dass man am Leben teilnimmt und Erfahrungen macht, die nichts mit dem Schreiben zu tun  haben. Schreiben ist zwar reflektiertes Leben, aber die Verbindungen des einen mit dem anderen sind in der Regel umwegreich und kompliziert und durchaus nicht immer zu erkennen.

Peter Clös
Woher kommt der Impuls zu schreiben? Haben Sie dafür ein Ritual oder besonders viel Disziplin?

Dieter Wellershoff
Disziplin ist wichtig, um anzufangen und um durchzuhalten, wenn es Schwierigkeiten gibt. Aber entscheidend ist die Faszination. Ohne sie entsteht kein Text von Bedeutung und persönlicher Eigenart. Schriftsteller zu sein und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist zwar auch ein Beruf – und das unterscheidet die Arbeit von einer gepflegten Liebhaberei – aber das Wichtigste daran ist nicht zu lernen, sondern entsteht lebensgeschichtlich: Es ist der besondere persönliche Blick für das Leben, der sich zum thematischen Grundthema seiner Bücher entwickelt und sich bis in alle Nuancen seiner Wahrnehmung und seines Stils ausdrückt. Egal worüber er schreibt, der Text verwandelt die dargestellte Welt in seinen Text, seine Handschrift. Man kann seine Bücher daran erkennen.

Peter Clös
Aber abgesehen von autobiografischen Büchern, die Sie auch geschrieben haben, schreiben die meisten Autoren doch nicht nur über sich selbst, sondern über fiktive Personen und Geschichten. Wie entstehen die Einfälle und Motive?

Dieter Wellershoff
Das lebensgeschichtlich entstandene und immer weiterentwickelte Grundinteresse des Autors an den Menschen und an der Welt wirkt wie ein Resonanzboden, der in Schwingung gerät, wenn in der Außenwelt oder im Bewusstsein des Autors ein Motiv auftaucht, das genügend Reiz und Geheimnis hat, um seine Phantasie zu beschäftigen. Das kann dann zu einem Kristallisationspunkt werden, der immer mehr Einfälle und Eindrücke anzieht und immer mehr Komplexität entwickelt. Dann beginnt die konstruktive Phantasie zu arbeiten. Aber am Anfang steht immer eine überraschende, meist noch nicht ganz verständliche Evidenz.

Peter Clös
Was hat denn das Schreiben und freie Imaginieren der alltäglichen Wahrnehmung voraus?

Dieter Wellershoff
Alltäglicherweise sehen wir die Welt in den Mustern unserer Routinen und Gewohnheiten als etwas mehr oder minder Bekanntes, in dem wir uns schnell zurecht finden und über das wir uns schnell untereinander verständigen können. Die Wahrnehmung steht im Dienst des praktischen Handelns. Die Imagination dagegen wird durch Irritationen und Überraschungen ausgelöst, die den Zusammenhang unserer Sehgewohnheiten durchbrechen und dadurch schlafende, elementare Interessen in uns wecken. Sie lädt uns ein zu einer Entdeckungsreise in eine komplexere Welt. Man kann dieses Zusammenspiel zweier alternativer Wahr-nehmungsformen als einen Ausdruck der exzentrischen Position des Menschen begreifen, die darin besteht, dass wir als körperliche Wesen immer in ein konkretes Hier und Jetzt gebannt sind, aber im Unterschied zu den Tieren, uns viele andere Existenzen, Geschehnisse und Welten vorstellen können, also in einem theoretisch unbegrenzten Horizont von Möglichkeiten leben. Wir können uns frei in diesem imaginären Horizont bewegen, weil damit im Gegensatz zum praktischen Handeln keine unmittelbaren Risiken verbunden sind. Die Imagination ist die Bühne unserer Freiheit und damit auch unserer Selbstreflexion und unserer möglichen Veränderungen.

Peter Clös
Sie haben die Literatur als eine imaginäre Probebühne beschrieben, auf der wir uns, entlastet von den Risiken der Praxis, alle Möglichkeiten und Risiken des Lebens vor Augen führen können. Ist das ein unverbindliches Spiel?

Dieter Wellershoff
Keineswegs. Es kann auch eine Höllenwanderung sein. Ein Blick in die eigenen Abgründe, eine Konfrontation mit den eigenen Fehlern, Schwächen und Ängsten, mit der Fremdheit der Welt, der Zufälligkeit von Glück und Unglück und der Unausweichlichkeit des Sterbenmüssens. Nicht alle Menschen haben den Mut, in den Spiegel ihrer Existenz zu blicken. Doch wer sich dem stellt, kann die eigenartige Erfahrung machen, dass die dargestellten Geschehnisse, so erschreckend und irritierend sie auch sein mögen, sich in der Gestalt neuer Erkenntnisse und erweiterter Lebenskompetenz in einen Gewinn verwandeln. 

Talk Teil 2:  Über den frühen beruflichen Werdegang

Peter Clös
Hat der Beruf des Schreibens Sie immer gut ernährt?

Dieter Wellershoff
Nein, das kann man nicht sagen. Es war lange Zeit sehr schwer. Ich hatte eine Familie mit drei Kindern, und meine Frau hatte wegen der Kinder ihre Anstellung bei der Universität aufgeben müssen, so dass ich bald nach meiner Promotion allein für unseren Lebenshalt sorgen musste, was aber nur möglich war, weil mir meine Frau alle sonstigen Verpflichtungen abnahm. Jahrelang habe ich pausenlos Nachtprogramme und Features für den Rundfunk geschrieben. Später kamen auch Hörspiele dazu. Aber als ich einen Verlagsvertrag für ein Buch über Gottfried Benn bekam, über den ich meine Doktorarbeit geschrieben hatte, war der Vorschuss so gering, dass ich mir Geld von meinem Bruder leihen musste, um das Buch im Wettlauf mit der Zeit schreiben zu können. Das Geld ging zu Ende, bevor das Buch fertig war. Außerdem habe ich, in Zusammenarbeit mit meiner Frau, die erste Ausgabe der Werke von Gottfried Benn herausgegeben, eine schwierige Arbeit mit umständlichen Korrespondenzen, die ebenfalls völlig unzureichend honoriert wurde. In dieser sich zuspitzenden Situation bekam ich überraschend das Angebot, Lektor im Verlag Kiepenheuer & Witsch zu werden. Ich sollte eine wissenschaftliche Verlagsabteilung aufbauen und die Werke von Heinrich Böll betreuen, bekam aber dann auch noch die Aufgabe, ein Defizit des Verlagsprogramms zu beheben und junge deutsche Autoren für den Verlag zu finden. Die Anstellung war unsere Rettung. Aber durch den Berg von Pflichten, die mir aufgebürdet wurden, musste ich meine Absicht – eigentlich muss ich sagen, meinen immer schon gehegten Lebenswunsch – erneut auf eine ganz lange Bank schieben.

Aber nach einigen Jahren bot sich mir erneut eine Chance, als ich wegen meiner Erfolge als Lektor und Benn-Herausgeber ein glänzendes Angebot vom Rundfunk bekam. Es war eine neue Lebensperspektive, mit der alle sozialen Probleme endgültig gelöst schienen, immerhin eine Versuchung, die literarischen Träume aufzugeben. Stattdessen machte ich meinem Verleger, der mich als Lektor behalten wollte, den Vorschlag, meinen eventuellen Verzicht auf das wesentlich bessere Angebot des Funks durch zwei freie Arbeitstage je Woche auszugleichen, in denen ich versuchen wollte, einen Roman zu schreiben. Erstaunlicherweise ging er darauf ein. Eine Mitarbeiterin für das Lektorat war ohnehin schon gefunden worden. Nun ging es also um alles oder nichts. Ich hatte meine Chance bekommen. Aber sie wahrzunehmen, war ungeheuer schwierig, vor allem wegen des ständigen Wechsels zwischen den Manuskripten der Autoren, die ich als Lektor betreute, und der immer wieder neu aufgenommenen Arbeit an dem eigenen Manuskript. Dass das unter der skeptischen Aufmerksamkeit des ganzen Verlages und bald auch der weiteren literarischen Öffentlichkeit geschah, machte es besonders schwierig. Eigentlich braucht man für das Schreiben des ersten Buches den Schutzraum der Anonymität. Auch den späteren Imagewechsel musste ich anschließend überstehen. Aber es half mir, dass ich von meinem Thema und meinem literarischen Konzept überzeugt war. Im Laufe der nächsten Jahre habe ich dann meine Arbeit für den Verlag immer weiter reduziert, schließlich nur noch einzelne Aufträge übernommen und Anfang 1981 ganz damit aufgehört. Aber beim Übergang in die Existenz eines Schriftstellers, der von seinen Veröffentlichungen lebt, habe ich doch erst noch zehn Drehbücher für Fernsehfilme geschrieben, aber alle nach eigenen Stoffen. Ich habe dabei durch das Schreiben von Dialogen und beim szenischen Denken noch einiges gelernt. Aber als ein neuer Dramaturg die Meinung vertrat, ein Drehbuch sei nur Spielmaterial für den Regisseur und es zu schlimmen Eingriffen kam, habe ich mit dem Medium Schluss gemacht. 

Talk Teil 3:  Zusammenbruch und Euphorie

Peter Clös
Sie sind 1943 bis 1944, zwei Jahre lang, Soldat in Berlin und an der Ostfront gewesen. Sie sind freiwillig in den Krieg gegangen, wurden an der Ostfront verwundet und kamen in ein Lazarett nach Bad Reichenhall. In Ihrem Buch "Im Ernstfall“, in dem Sie über diese Erlebnisse fünfzig Jahre später berichten, gibt es einen faszinierenden Lesemoment. Der „Heldenklau“ kommt bei Ihnen vorbei, das ist der Arzt, der genesende Verwundete wieder kriegstauglich schreiben will. Sie treten zur Untersuchung an. Die Kameraden vor Ihnen wählen den Weg der Simulation. Dann sind Sie dran. Das Spannende ist jetzt, dass Sie selber von den Kräften, die in Ihnen wirken, völlig überrascht werden. Ich wurde beim Lesen genauso überrascht. Denn Sie haben noch eine Sekunde vorher selbst nicht gewusst, was Sie machten. Was haben Sie gemacht?

Dieter Wellershoff
Man sollte um den Tisch herumGEHEN, um zu zeigen, ob man gehen kann. Aber ich bin um den Tisch herumgelaufen. Das war ein fremdartiger und plötzlicher Impuls in mir. Ich hatte keine Lust, etwas vorzutäuschen.

Peter Clös
Interessant ist an der Stelle, wie sich die Kräfte auch streiten, wie ambivalente Kräfte zum Tragen kommen. Sie haben Gesundheit demonstriert, aber nicht, um an die Front zurück zu kommen, sondern um Genesungsurlaub zu bekommen, in der Hoffnung, dass am Ende des Urlaubs der Krieg vorbei sein würde.

Dieter Wellershoff
Ja, das war eine Illusion, der Krieg dauerte allerdings noch länger. Ich bin noch einmal an die Oderfront gekommen, und habe dann die Massenflucht zu den in Schwerin stehenden Amerikanern miterlebt. Nachträglich bin ich dankbar, dass ich das gesehen habe: Der Zusammenbruch einer Welt. Das war für mich der Beginn eines völlig neuen Lebens, das freigesprochen war von dem bisherigen Leben, das völlig zusammengebrochen war. Ein tiefes Glücksgefühl hat mich dann erfüllt, dass ich zufällig am Leben geblieben war. Ich habe mir gesagt, das ist ein solches Geschenk, das darf man auf keinen Fall vertun.

Peter Clös
Also hat der Krieg Sie im Lebenswillen bestärkt.

Dieter Wellershoff
Ja. Ich habe eine anhaltende, innere Euphorie erlebt und eine umfassende Lebensneugier. Es kam damals ja auch alles neu auf einen zu. Die moderne Literatur, die Philosophie, die Psychoanalyse, die Soziologie, alle Wissenschaftszweige, von denen ich keine Ahnung gehabt hatte. Wir waren ja in einer hermetisch abgeschlossenen Welt aufgewachsen.

Talk Teil 4:  Fremdbestimmung und schöpferische Herausforderung

Peter Clös
Sie sind ja der Ansicht, dass das Leben dem Menschen zufällig geschenkt ist. Jetzt hat mich eine Sache bei den Vorbereitungen auf dieses Gespräch provoziert. In einem Buch über Ihren Bruder, der an Leukämie gestorben ist,  beschreiben Sie diesen Sterbensweg, den Weg zum Tode hin: ‚Wir sind alle der Meinung, dass wir noch ein bisschen leben, dass wir noch ein paar Jahre zu leben haben...’Dann kommt ein Bindestrich und der Satzteil: ‚...- denn mehr als ein Glaube ist es ja nicht.’ Wenn das Leben Ihrer Meinung nach zufällig ist, warum schreiben Sie da nicht auch: ‚... denn mehr als ein Glaube ist es ja nicht?’

Dieter Wellershoff
Sowohl die Evolutionstheorie als auch Physik zeigen die Bedeutung des Zufalls. Die Prozesse, die in der Natur ablaufen, haben viele Momente der Unbestimmtheit in sich. Nur deshalb gibt es auch Entwicklung. Unbestimmtheit bedeutet latente Möglichkeiten für Anderes, Neues. Das Weltall und das Leben haben sich aus unvollständig übermittelten Informationen heraus entwickelt. Um das auf uns zu beziehen: Wenn wir unser Leben zur Stunde unserer Geburt zurückdrehen könnten und es dann wieder ablaufen ließen, käme nie genau das Selbe dabei heraus. Es sind so viele Zufälle dabei im Spiel, dass immer andere Konstellationen entstünden. In mehreren Abläufen würden wir wahrscheinlich einmal mit dem Auto tödlich verunglücken, in einem anderen möglicherweise in der Lotterie gewinnen, obwohl wir in anderen Abläufen sonst nie ein Lotterielos kaufen. In tausend Abläufen könnten die Verhältnisse so gemischt sein, dass wir einen Mord begehen. Der ganze Horizont der Möglichkeiten ist im Leben gegeben, und das ist eine schöpferische Herausforderung. Wir müssen erkennen, dass wir so etwas wie einen Haufen verdeckter Karten zugeteilt bekommen, die man aufdecken muss, um mit ihnen das Bild des eigenen Lebens zu formen. Dabei spielt natürlich auch das Glück eine Rolle, der Zufall ist ja auch ein zusammenfassendes Wort für Glück und Unglück. Aber dies ist die Frage an uns: Wie gehen wir damit um? Letzten Endes ist die Irritation, der Widerstand das, was Zukunft herausfordert, herausreizt. Die Bedürftigkeit der Menschen nach Solidarität hängt mit dieser Position auch zusammen. Man muss sich gegenseitig helfen. Man muss sich verstehen, verstehen als Wesen, die nicht fest definiert und geschützt sind, sondern die das ganze unüberschaubare Risiko des Lebens tragen. Das gilt für alle. Das ist auch die Quelle der Nächstenliebe und der Grund, weshalb der Kategorische Imperativ von Kant so wichtig ist. Wir brauchen Ordnungen, Strategien und Zuverlässigkeiten, die uns verbinden, auf die wir uns verlassen können. Da ist zum Beispiel die Formulierung von Kant: ‚Handle so, dass die Maximen deines Handelns die Grundlage einer allgemeinen Gesellschaftsordnung sein könnten’. Das ist eine Verpflichtung, über sich hinaus zu handeln, im Zusammenhang, im Kontext mit anderen Menschen. Der Kategorische Imperativ bildet den Übergang von der religiösen Erfahrung zur philosophischen Erfahrung. Die Ethik, die dahinter steckt, ist einen langen Weg gegangen. Sie ist dann nicht mehr gedeckt durch die Vorstellung, dass sie durch ein höheres Wesen überwacht wird, sondern dass sie in uns selbst ihren Grund hat. So verstehe ich Christus, nämlich als einen Menschen, der jenseits autoritärer, traditioneller Ordnungen dem ideellen Wachsen und Werden des Lebens Raum gibt.

Peter Clös
Ist man denn mit dieser atheistischen Position im Leben freier, weil die Fremdbestimmung wegfällt? Ist da der Weg zur Selbstbestimmung, zur Selbstverantwortung leichter und direkter?

Dieter Wellershoff
Viele Menschen fühlen sich angesichts ihrer Abhängigkeit von nicht zu ändernden Lebensumständen durch den Anspruch, ein selbstverantwortliches Leben zu führen, überfordert, und ziehen es stattdessen vor, trotz schlechter oder zwiespältiger Erfahrungen an eine allmächtige, väterliche Instanz zu glauben, bei der sie in guter Hut sind. Das ist die Verlängerung einer Kindheitserfahrung.

Talk Teil 5:  Über Religion und Schicksal

Buchcover

Peter Clös
Sie deuten an einer Stelle an, dass es mit einer religiösen Bindung schwieriger sein könnte. Ich zitiere mal aus dem Buch über den Bruder „Blick auf einen fernen Berg“, in dem Sie von seinem Unglück, sterben zu müssen und Ihrem Glück, zu überleben, schreiben: ‚Aber dass Glück und Unglück so zufällig verteilt waren, und so dicht aneinander grenzten, war ein anderer Schrecken. Wie ein anhaltendes leises Beben unter den Füssen. Die Welt des Zufalls war keine geheure Welt, doch es war eher noch schrecklicher anzunehmen, dass alles einen verborgenen Sinn hatte. Dann würde das Unglück auch noch zur Schuld’. - Ich habe in meiner Kindheit den Weg mit einem sehr engen Gottesbild zugepflastert gefunden. Von dieser „Einladung zur Fremdbestimmung“


werde ich mich mein ganzes Leben lang nur partiell erholen. Das ist die andere Position. Aus der Warte heraus frage ich das.

Dieter Wellershoff
Historisch gesehen, hat die Religion eine große Bedeutung gehabt bei der Zähmung und Kultivierung des Menschen, eines nicht festlegten Triebwesens, das kulturell geprägt werden muss, um sozialfähig zu sein. Die monotheistische Gebotsreligion bot dafür ein eindruckvolles Muster an, das aus der alltäglichen Erfahrungswelt von Menschen entwickelt war, die in überschaubaren, autoritär geleiteten Gesellschaftsformen lebten: Also in Familienclans, Stammesverbänden oder völkischen Gemeinschaften, die von einem König regiert wurden. Darüber thronte ein Gott als oberste sinngebende Instanz. Moses empfing, laut biblischer Geschichte, von Gott die Zehn Gebote, die aus den nach Palästina einwandernden Hirtenstämmen das Volk Israel machten, das sich durch seine privilegierte Beziehung zu dem zum einzigen wahren Gott erklärten Jahwe, den noch in allerlei Formen von marginalem Volksglauben befangenen Einwohnern Palästinas hoch überlegen fühlten.

Das gab Sicherheit, Zusammenhalt und auch Orientierung für jeden Einzelnen. Aber es war natürlich auch eine starre, dogmatische Last, wie Sie es in Ihrer Jugend erlebt haben. Nach meinem Verständnis hat Jesus in der Bergpredigt mit einer auf die individuellen Verschiedenheiten und Fehlbarkeiten eingehenden, verstehenden Moral die archaische Strenge der Gesetzesreligion überwunden und mit dem Grundgebot der Nächstenliebe den Ursprungsgedanken für den später sich entfaltenden Humanismus formuliert. Ich empfinde es als Widerspruch zu seiner Lehre, dass er im Glaubensbekenntnis wieder im Sinne der alten Gesetzesreligion als Richter beim Jüngsten Gericht erscheint.

Peter Clös
Aber das menschliche Verhalten braucht Regeln und die müssen legitimiert sein.

Dieter Wellershoff
Ja, aber eigentlich durch sich selbst und nicht allein durch Berufung auf göttliche Autorität, wie es bis zur Aufklärung und noch lange darüber hinaus üblich war. Lebensregeln, Lebensordnungen müssen realitätsbezogen und allgemein einsehbar und zustimmungsfähig sein. Das gilt, zum Beispiel, für die im Grundgesetz verankerten Bürgerrechte. Als mich bei einer Lesereise durch die damals noch stalinistische Tschechoslowakei ein Parteifunktionär, entgegen meiner Äußerungen über Literatur, auf die gemeinsame Formel festlegen wollte: „Sie und wir sind für die Würde des Menschen“, habe ich erwidert, dass dies nur eine Leerformel sei, die erst mit Inhalt gefüllt werden müsse. Als Beispiel nannte ich die im Grundgesetz formulierten Bürgerrechte. Sie zeigten, was unter der Würde des Menschen zu verstehen sei. Die selbe lebenspraktische Konkretheit haben und hatten wir bei der Verkündung der Zehn Gebote. Vielleicht ist das darin enthaltene Gebot, den Namen Gottes nicht unnütz zu führen und ihn nicht zu missbrauchen, auch als ein Hinweis zu verstehen, dass die Gebote des Dekaloges für sich selbst sprechen. Missbrauch ist aber immer üblich gewesen seit den Kreuzzügen und der Inquisition bis hin zu der Tatsache, dass auf den Koppelschlössern der deutschen Soldaten, die zu einem Angriffskrieg zogen, „Gott mit uns“ stand.
Diese Opferbereitschaft für den ranghöheren Gemeinschaftswert des Vaterlandes ist in den letzten Kriegsjahren total verschlissen worden. Hölderlin hatte den „Tod fürs Vaterland“ in dem gleichnamigen Gedicht feierlich gerechtfertigt:

„Lebe droben, o, Vaterland,
und zähle nicht die Toten.
Dir ist, Liebes! nicht einer zu viel gefallen.“

Wir dagegen dachten angesichts unserer schweren Verluste, dass wir, und die nächsten Jahrgänge, die uns noch folgten, in längst aussichtslosen Schlachten verheizt wurden, nur um das absehbare Ende der Machthaber noch um einige Monate hinauszuschieben. Es war immer noch gefährlich, darüber zu sprechen. Doch der Prozess der Desolidarisierung ging stumm in Jedem weiter. Und als im Frühjahr 1945 der unaufhaltsame Zusammenbruch kam, löste sich im Chaos der Massenflucht nach Westen das große Ganze in lauter Einzelne auf, die nur noch daran dachten, ihr eigenes Leben zu retten. Dieser Zusammenbruch der Macht war ein dramatisches Schauspiel, das mich tief beeindruckt hat. Es war eine Zäsur, die alles Bisherige zur Vergangenheit machte, ohne dass eine Zukunft sichtbar war. Immerhin hatte ich zufällig überlebt. Und irgendwie würde es wohl schließlich weitergehen.

Die totale Niederlage erwies sich mit der Zeit als die beste Ausgangsposition für einen neuen Anfang, weil es zu dem, was in dem zerstörten Land praktisch möglich und nötig war, keine Alternative gab. Doch dann folgte noch eine andere, viel tiefere Desillusionierung, als die ersten Filmberichte aus den Vernichtungslagern die Leichenberge halb verhungerter, vergaster Menschen zeigten. Das war ein unfassbarer Anblick, der einen düsteren Schatten über alles warf, was zum Bewusstsein der eigenen menschlichen Integrität gehörte. Nun musste man begreifen, dass alle Menschen, die auf deutscher Seite in diesem Krieg ihr Leben verloren hatten, mit ihrem Einsatz dazu beigetragen hatten, den millionenfachen Völkermord zu ermöglichen und zu verlängern. Das war ein Wertezusammenbruch, der in mir eine anthropologische Skepsis hinterließ: Menschen waren zu allem fähig, was durch Autoritäten und Ideologien legitimiert wurde. Meine Reaktion war radikaler Individualismus und eine spontane emotionale Distanz gegenüber allen Gemeinschaftskulturen, die über praktische Gemeinsamkeiten hinausgehen. Noch heute befremdet mich der Gruppenkonformismus der heutigen Jugendlichen, die sich jederzeit von Popgruppen und von päpstlichen Segensgesten zu Jubelorgien hinreißen lassen und sich ständig gegenseitig mit dem Handy anrufen, auch wenn es überhaupt nichts zu sagen gibt.

Talk Teil 6:  Zwei Glückssucher

Buchcover

Peter Clös
Ich möchte jetzt eine Stelle aus dem Buch zitieren „Blick auf einen fernen Berg“, das ist dieses Buch, das Herr Wellershoff über seinen Bruder geschrieben hat. Da kommt folgende Stelle vor, die uns ganz kurz den Charakter des Bruders umreißt und auch Ihren Charakter. Der eben auf das unterschiedliche Kartenblatt verweist, das bei diesem Kartenspiel Leben die beiden Brüder bekommen haben.’„Es ist keine schlechte Erinnerung, arm gewesen zu sein, wenn es einem gelungen ist, sich allmählich aus der Armut herauszuarbeiten. Bei uns (gemeint ist Ihre Familie) war das ein langsamer, aber stetiger Prozess. Bei meinem Bruder ein dramatisches Auf und Ab mit katastrophalen Einbrüchen und überraschenden neuen Erfolgen.


Abwechselnd war er viel wohlhabender oder viel ärmer als wir. Doch machte ihn das nicht vorsichtiger, sondern ungeduldiger und waghalsiger, als fehle ihm der Instinkt für Gefahr. Immer eilte er der Entwicklung voraus und rechnete mit Erfolgen, die noch nicht sicher waren, und um sicher zu sein, baute er komplizierte Konstruktionen auf, nicht bedenkend, dass er damit nicht nur seine Chancen, sondern vor allem auch seine Risiken vermehrte. Er war ein Schachspieler, der gleichzeitig an vielen Brettern spielte und immer auf Angriff und mit vollem Risiko. Wenn er mir seine simultanen geschäftlichen Unternehmungen und Spekulationen erklärte, hatte ich manchmal Schwierigkeiten, ihm zu folgen. Es waren weitläufig verknüpfte Vorgänge, deren wichtigster Halt er selbst war. Seine Intelligenz, seine Arbeitswut und sein Glück. Niemals hat er damit gerechnet, dass ihm etwas Schwerwiegendes passieren könnte.’ Dieser Text steht mir irgendwie sehr nahe und auch dieses Schicksal. Dieses sich Abrackern für das Selbstverständliche, sag ich mal, und hinterher vielleicht doch immer noch der Meinung sein, das Schicksal war ungerecht.

Dieter Wellershoff
Ich glaube, mein Bruder ist vom Krieg mehr geschädigt worden, als ich, weil er mit zwölf Jahren plötzlich allein war. Vater und Bruder waren beim Militär. Und die Mutter war kurz nach meinem Weggang gestorben. So kam er in ein Internat, in dem lauter Jungen aus vom Krieg zerstörten Familien untergebracht waren, zwischen denen in jeder Hinsicht, aber vor allem ums Essen, ein ständiger Konkurrenzkampf herrschte. Briefe und Besuche hat er nur selten bekommen. Er hat das Leben immer als einen Kampf um einen eigenen Platz verstanden. Darin ähnelten wir uns auch. Aber sein Leben verlief weniger kontinuierlich als meins als ein Auf und Ab zwischen schnellem Erfolg und plötzlichem katastrophalen Scheitern. Er war ein risikobereiter Abenteurer und Glückssucher, dessen erneuter Aufstieg zu einem großen Erfolg von einer tödlichen Krankheit durchkreuzt und beendet wurde.
Das alles ist mit seiner neugierigen Zustimmung in vielfach umgewandelter Form auch in meine Bücher eingegangen. Das Buch, aus dem Sie zitiert haben, ist allerdings im Unterschied zu den Romanen und Erzählungen, durch die sich fiktional verwandelte Spuren seiner realen Existenz ziehen, ein autobiografischer Lebens- und Sterbensbericht, in dem nichts erfunden ist. Manchmal ist die Realität ausdrucksvoller und phantastischer als jede Phantasie.
Ich habe es anfangs schon gesagt, möchte aber im inzwischen erweiterten Zusammenhang noch einmal darauf zurückkommen: Die Literatur ist in meinem Verständnis in all ihren unterschiedlichen Formen vom Roman über die Lyrik zum Essay ein Medium zur vertieften Darstellung und Wahrnehmung des Lebens. Deshalb auch die Bevorzugung krisenhafter Situationen und problematischer Personen als Sujets für Romane und Erzählungen. Denn in Krisen und Konflikten zeigt sich deutlicher, was normalerweise verborgen bleibt.

Peter Clös
Das zeigt sich immer wieder, auch in meinem Beruf als Schauspieler. Die dramatische Spannung, das, was die Zuschauer fesselt, entsteht aus Gegensätzen und Widersprüchen und den daraus sich anbahnenden Katastrophen.

Dieter Wellershoff
Dabei wird man immer wieder die Erfahrung machen, dass die Negativität und sogar die Schrecklichkeit des dargestellten Geschehens für viele Leser nicht nur starke, aber zweifelhafte Reize sind, sondern auch ein innerer Gewinn. Der Blick öffnet sich in einem angstfreien Sehen und Verstehen für bisher nicht wahrgenommene Aspekte des menschlichen Daseins. Das ist ein Zuwachs an lebendiger Kompetenz.
 
Peter Clös
Sie haben einmal gesagt; bedrückende Lebenssituationen darzustellen, habe Sie nicht bedrückt, sondern fasziniert.

Dieter Wellershoff
So ist es. Objektivierung ist ein Schritt zur Befreiung. Um das durch eine Analogie verständlich zu machen, habe ich auf das archaische Ritual der Tötung des Sündenbocks hingewiesen, bei dem ein Priester alle Sünden und Vergehen der Menschen auf einen Widder überträgt, der anschließend getötet oder in eine Einöde gejagt wird. Damit gelten die Sünden als getilgt. Eben das geschieht in der Literatur, indem der Schriftsteller seinen fiktionalen Personen die Fehler und Verfehlungen der Zeitgenossen aufbürdet und sie dann als Sündenböcke mit unglücklichen Konsequenzen, vielleicht sogar mit dem Tod, bestraft. Wir lesen es mit erregtem Interesse, keineswegs gleichgültig, doch in schützender Distanz, weil da ein anderer, ein fiktionaler Mensch, an unserer Stelle stirbt.

Peter Clös
Die Darstellung eines Problems ist aber noch nicht seine Lösung.

Dieter Wellershoff
Nein. Das ist die Aufgabe, die durch die Dramaturgie des offenen Schlusses an den Leser weitergegeben wird: Schau Dir alles an und suche Deinen eigenen Weg.

Peter Clös
Zum Abschluss möchte ich noch auf ein Thema eingehen, das uns alle angeht: Die Liebe. Ich zitiere jetzt einen Freud-Schüler, Theodor Reik, der folgendes sagt: ‚Dass besonders diejenigen Menschen disponiert sind, sich leidenschaftlich zu verlieben, die ihr Ich-Ideal nicht annähernd verwirklichen konnten und in einen existentiellen Leerlauf, eine schleichende Sinnkrise geraten sind. Leidenschaftliche Liebe ist das stärkste Heilmittel gegen diese Krankheit, aber möglicherweise auch deren anderes Gesicht. Wo Menschen voll und ganz mit sich zufrieden sind, ist Liebe unmöglich. Gegenseitig aber erkennen sich die Liebenden, wie Gezeichnete und Eingeweihte, an ihrem verborgenen Ungenügen.’

Dieter Wellershoff
Das ist eine Diagnose des Ausnahmezustandes der leidenschaftlichen Liebe, in der die Gefahr ihres Scheiterns schon angedeutet ist. Ja, wer liebt und geliebt wird, ist zunächst einmal gerettet. Alles, was fehlte, alle Glücksgüter, mit denen man nicht gesegnet worden ist, werden durch die erfüllte Liebe, in der sich ein Paar findet, übertrumpft. Im Glücksspiel des Lebens ist die Liebe eine der höchsten Glückskarten, und für das liebende Paar sicher die höchste. Aber weil sie als das einzigartige und unaustauschbare Glück erlebt wird, hängt von ihr auch alles ab. Man stürzt tief, wenn das Glück verloren geht. Die Unhaltbarkeit des Stillstandes führt oft zu einer unbewussten Reaktion. Einer der Partner zettelt Streit an oder inszeniert Krisen, nur um eine Situation herbeizuführen, in der man sich hinterher wieder versöhnen kann. Es ist eine Selbstmordsituation. In meinem Roman „Der Liebeswunsch“ habe ich das Scheitern des Konzeptes der totalen Liebe an der Verschärfung der Verschiedenheiten dargestellt. Die Gefahr ist der Illusionismus, der die Verschiedenheit der Menschen und die daraus entstehenden unvermeidbaren Asymmetrien nicht wahrhaben will und auf einer totalen symbiotischen Übereinstimmung besteht. Das ist die klassische Liebesideologie, an deren radikalen, monomanen Ansprüchen die Liebe in der Regel scheitert. Mir fällt zur Beschreibung des symbiotischen Liebespaares ein Vers von Heinrich Heine ein:

„Die Toten stehen auf.
Die Stunde des Gerichts
ruft sie zu Qual und Vergnügen.
Wir beide bekümmern uns um nichts
Und bleiben umschlungen liegen.“

Hier ist die Selbstgenügsamkeit des symbiotischen Paares dem finalen Weltgeschehen als unangreifbare Eigenwelt gegenüber gestellt. Aber das ist eine perspektivelose Utopie, die nur noch das Jetzt der Vereinigung gelten lässt und sich gegen alle Veränderung sperrt. Und daran muss sie entweder scheitern oder sich verändern.
Auch die leidenschaftliche Liebe ist eingebettet in die Welt. Sie braucht Inhalte und Aufgaben, an denen die Partner wachsen können. Und sie müssen lernen, sich gegenseitig in ihrer Verschiedenheit zu sehen und anzunehmen. Aber das sind dürftige Worte für das, was die Romane zu erzählen haben.

Talk  Teil 7:  Humanes und selbstbestimmtes Sterben

Peter Clös
Eine letzte Frage noch, Herr Wellershoff, nachdem wir so viel über das Leben und auch über das Sterben geredet haben: Glauben Sie, dass die Natur beim Vorgang des Sterbens dem Menschen hilft?

Dieter Wellershoff
Ja, das gibt es wohl. Die Schmerztherapeuten können dazu einiges sagen. Bei schweren Verletzungen schüttet der Körper offenbar betäubende und Angst lindernde Hormone aus. Eine Antilope, die von einem Löwen gerissen wird, was ein fürchterlicher Vorgang ist, gibt alle Fluchtversuche auf und gerät offenbar in einen Zustand totaler Apathie. Ähnliches passiert wohl auch mit uns. Außerdem gibt es viele Berichte über Sterbeerfahrungen von Menschen, die schon fast tot waren und doch noch gerettet wurden. Sie hatten eigenartige Schwebegefühle und beglückende Lichterscheinungen, die die Vermutung nahe legen, dass es sich dabei um freigesetzte Erinnerungen an die Geburt und das „Zur-Welt-kommen“ handelt, die der Redewendung „Das Licht der Welt erblicken“ entsprechen. Es ist ein schöner Gedanke, dass sich so der Kreis des Lebens schließt. Viele der Beinah-Toten waren zunächst nicht glücklich, ins Leben und die damit verbundenen aktuellen Leiden und Qualen zurückgeholt zu werden.

Das Sterben kann viele verschiedene Forman annehmen: Als langes Siechtum oder plötzlicher Sekundentod. Oder als qualvolles, katastrophales Versagen einzelner Organsysteme wie beim Herzinfarkt, beim Schlaganfall oder einem Lungenödem. Goethe, zum Beispiel, starb in stundenlanger Qual am Herzinfarkt, schwitzend und jaulend vor Schmerzen und panikartiger Angst. Oder es ist der sanfte Alterstod eines Menschen, dessen Lebenskräfte verbraucht sind. Dieser Tod gleicht dem Erlöschen einer heruntergebrannten Kerze. Er wird als natürlicher Tod bezeichnet, weil er dem Einschlafen gleicht und nichts anderes zu sein scheint als der Vollzug der Sterblichkeit. Im stufenweisen Versagen der Sinne und der übrigen Hirnfunktionen zieht sich der Sterbende aus der Außenwelt zurück und auf einmal, manchmal in einem unmerklichen Übergang, liegt sein Körper als tote Hülle da – eine gewaltige, an die Fundamente der Lebensgewissheit rührende Veränderung.

Abschließend möchte ich nur noch sagen, dass wir unsere Verantwortung für das Leben auf das Sterben ausdehnen müssen. Es ist der Abschluss des Lebens und sollte im Einklang mit der Gesamtgestaltung des menschlichen Lebens stehen. Wir müssen in logischer Entsprechung und Ergänzung unserer großen Anstrengungen zur Verlängerung des Lebens über Sterbehilfe nachdenken. Einen humanen, selbstbestimmten Tod zu sterben, muss wie die Heilung heilbarer Krankheiten ein Menschenrecht werden. Wir haben die Mittel dazu. Und keine Instanz hat das Recht, sie den Menschen zu verweigern.

Peter Clös
Herzlichen Dank für dieses Gespräch. Ich freue mich, dass Sie bei uns waren.

Talkgottsdienst an der Lutherkirche mit Dieter Wellershoff, Foto: Christel Plöthner
Talkgottesdienst an der Lutherkirche mit Dieter Wellershoff, Foto: Christel Plöthner