Benefiz-Dinner

Benefiz-Dinner für Brunnenbau in Benin
Montag, 27. November 2017

Dr. Arne Thies stellt sein Brunnenbauprojekt vor

Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dirk Bell und seinen Combonistas.
Ehrengast: der Prinz von Abomey/Benin

"Tafelwasser - Wir tafeln hier für Wasser dort "von Achim Mantscheff 

Wir laden herzlich ein zu unserem Abend ´Tafel–Wasser` !
Auf riesigen Flächen der Erde ist unser selbstverständlichstes Gut selten, kostbar oder gar nicht vorhanden: Wasser. So kam der Brunnenbauer Arne Thies auf die Idee, den Menschen in Benin zu zeigen, wie man Brunnen und Pumpen lokal baut und anlegt. Diese Idee der eigenständigen Trinkwasserversorgung gehört zum Besten, was wir seit längerem gehört haben, und daher möchten wir dazu einladen, das Projekt gemeinsam mit uns zu fördern. Fördern durch Feiern.

Im Cafe Ludwig wird aufgetafelt, und dazu jazzen Dirk Bell und seine Combonistas einiges out of the blue, Wilfried Schmickler geigt uns die Meinung, und nicht zuletzt erzählt Arne Thies aus seinem Alltag hinter dem Horizont.

Und das alles bei herbstlichem Saus und Braus vom Ludwig-Team für Euch aus der vielgelobten Küche des »Ludwig im Museum«, an einem der schönsten Orte Kölns. Herz, was willst Du mehr?
Text: Achim Mantscheff

ORT: Ludwig im Museum - Café, Restaurant, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln

Projektbeschreibung von Arne Thies

DAS PROJEKT
Die Brunnenbauschule-Benin ist ein Projekt, welches sowohl eine adaptierte Technologie vorweist als auch lokal in Eigenständigkeit umgesetzt, gewartet und finanziert werden kann. Es ist von Importen unabhängig und trägt zum lokalem Unternehmertum bei. Dies sind Grundkriterien, die nachweislich erfüllt werden können und daher wird dieses Projekt von BONAGERA e.V. gestützt und im Benin umgesetzt und verbreitet. Wir haben das Projekt bereits von Dr. Arne Thies, der mittlerweile unser Freund geworden ist, durch mehrere Vorträge kennen gelernt.

Ziele des Projektes sind:

1. Einführung einer Lösung zur sauberen Wasserversorgung, die für die Vermeidung der Magen-und Darminfektionen bei Kindern unerlässlich ist (jedes fünfte Kind stirbt z.Z. vor seinem fünften Lebensjahr).

2. Zugang zu einer einfachen, adaptierten und dezentralisierten Technologie, die lokal und eigenständig sowohl hergestellt als auch gewartet und repariert werden kann.

3. Verwendung einer Technologie, die von den Menschen vor Ort finanziell selber getragen werden kann.

4. Erleichterung der Arbeiten der Frauen (Vermeidung lange Wege und schwere Lasten) und Reduzierung der Gefahren (Gewaltverbrechen), die sie bei der herkömmlichen Wasserversorgung ausgesetzt sind.

5. Eigenständige Verbreitung und Schaffung von kleinen Unternehmen (der Beruf des Brunnenbauers ist lukrativ), sowie Stützung einer besseren und sicheren Verwaltung der von Frauen geführten Genossenschaftskassen.
Text: Arne Thies

Pfarrer Hans Mörtter im Gespräch

„Das Thema Wasser ist eine der größten Herausforderungen, mit denen wir es zu tun haben“, erklärt der Initiator der Veranstaltung, Pfarrer Hans Mörtter. „Konzerne, wie Nestlé und Coca Cola, graben uns buchstäblich das Wasser ab, das laut UN ein unverbrüchliches Menschenrecht sein sollte.“ Als er 2015 in Frankreich den Diplomingenieur Dr. Arne Thies kennenlernte, fand er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, war aber sofort begeistert, als Thies ihm von seinen Brunnenbauprojekten im afrikanischen Benin erzählte. „Seine Herzlichkeit, die Unerschrockenheit und das starke Engagement haben mich sehr beeindruckt. Ich kümmere mich mit vielen Gleichgesinnten um die Geflüchteten hier in Köln und Arne bekämpft auf seine Art die Fluchtursachen. Da war für uns beide klar, dass wir Verbündete sind“, erinnert sich Mörtter. Als Dritter im Bunde kam Achim Mantscheff dazu und stellt sein Café für das Benefiz-Dinner zur Verfügung. Das Museumscafé Ludwig ist eine der besten Adressen in Köln und der Name Mantscheff steht für Nachhaltigkeit und Nahrungsqualität.

Arne Thies hat eine Lösung gefunden, wie Afrikaner aus eigener Kraft, selbständig und mit vorhandenen Ressourcen ihre Brunnen selber bauen können. Anleitung bekommen sie von Thies, der den Brunnenbau so konzipiert hat, dass die Technologie von den Afrikanern selbst bewerkstelligt werden kann. Das sorgt für sauberes Trinkwasser, einen Rückgang der hohen Kindersterblichkeit durch Magen- und Darminfektionen, Arbeitsplätze und reduziert die Gefahr von Gewaltverbrechen gegen Frauen bei der herkömmlichen Wasserversorgung.

„Über 60 Brunnen hat Arne Thies bereits gebaut und weitere 40 sind in der Entstehungsphase,“ freut sich Hans Mörtter. „Ein Brunnen kostet nach diesem Konzept rund 2000 Euro und kann danach ohne weitere Hilfe von den Dorfbewohnern selbst betrieben werden. Menschen mit der Basisversorgung an Wasser für sich und ihre Felder müssen sich nicht auf die lebensgefährliche Flucht begeben. Ich finde es so fantastisch, dass ein einzelner Mensch solche 'Wunder' ermöglichen kann.“

Pfarrer Hans Mörtter war es eine Herzensangelegenheit, Arne Thies nach Köln zu holen, damit die Kölner ihn selbst erleben können. Es wird einen Vortrag von Thies mit viel Anschauungsmaterial geben, Kulturelles, mit Auftritten von Wilfried Schmickler, Dirk Bell und seinen Combonistas, sowie kulinarische Köstlichkeiten in der wunderbaren Atmosphäre des Café Ludwig. Um seine nachhaltige und wirksame Arbeit in Afrika ausweiten zu können, ist Arne Thies auf Spenden angewiesen.
Text: Helga Fitzner nach einem Gespräch mit Hans Mörtter

Eindrücke vom Benefiz-Abend

„Geschenke lähmen die Eigenständigkeit“

Die Tische waren festlich gedeckt, der riesige Weihnachtsbaum erstrahlte in prächtigem Licht und gut gekleidete Gäste tranken sich mit ihrem Aperitif gegenseitig zu. Das wunderbare Personal des Café Ludwig war, wie immer, kompetent bei der Sache; vielleicht waren sie sogar froh, an diesem besonderen Abend Dienst zu haben. Der Restaurantchef Achim Mantscheff drehte seine Runde durch die Gästeschar und es lag eine interessierte Erwartungshaltung in der Luft. Ein Afrikaner aus einem Dorf im Benin hätte sich wohl sehr darüber gewundert, dass in einem solchen Ambiente über Brunnenbau informiert werden würde. Köstlichkeiten, wie das Buffet des Café Ludwig, hätten ihn wohl noch mehr zum Staunen gebracht. Es liegen Welten dazwischen, aber den Organisatoren war es wichtig, das bemerkenswerte und lösungsorientierte Projekt in einer angenehmen Atmosphäre zu vermitteln. Denn es soll in die Welt hinausgetragen werden.

Der Hausherr Achim Mantscheff begrüßte als Erster die Gäste. Er kennt Pfarrer Hans Mörtter schon länger und hatte ihm sein Restaurant für ein Benefiz-Dinner angeboten, wenn sich der Bedarf ergäbe. Nachdem Hans Mörtter vor zwei Jahren während eines Frankreichurlaubs den Diplom-Ingenieur Dr. Arne Thies kennenlernte, war sehr schnell klar, dass er dessen Brunnenbauprojekt unterstützen wollte. Hans Mörtter schätzt an Thies' Arbeit, dass sie eine wahre Möglichkeit zur Veränderung darstellt und die Einheimischen befähigt.

Zur Aufheiterung und Wahrheitsverkündung ließ sich der Kabarettist Wilfried Schmickler zu Anfang über unsere Unzulänglichkeiten aus: „Unsere Solidarität und Mitmenschlichkeit versickert im Kampf um die größten Fleischköpfe“, fasste er die Weltlage zusammen. Er mahnte an, dass „Mülltauchen“ strafbar ist, obwohl es auch in unserer reichen Gesellschaft so viel Armut gibt, dass Menschen im Abfall von Supermärkten nach Brauchbarem suchen. Den Wutbürger, der alles „scheiße“ findet, nahm Schmickler besonders aufs Korn. Er sieht die „Wut als Grundgefühl einer abgehalfterten Kreatur“, die dann neben der Politik und anderem auch noch den völlig unbeteiligten Flüchtlingen die Schuld an seiner eigenen Misere gibt. Leider können wir den Text hier nicht veröffentlichen, weil er aus Schmicklers neuem Programm stammt.

Arne Thies begann seinen Vortrag damit, dass er nach seinem Studium der Landwirtschaft nach Afrika gereist ist und der Kontinent ihn nicht mehr losgelassen hätte. Der Benin hat nur wenig Rohstoffe, so dass es bezüglich internationaler Konzerne dort relativ ruhig ist. In den 1960er bis in die 1980er Jahren sind große Summen an Entwicklungshilfegeldern nach Afrika geflossen, erklärte er weiter, trotzdem ist die Armut seitdem angestiegen. In dem Buch der aus Sambia stammenden Ökonomin Dambisa Moyo wird es sogar als „tote Hilfe“ bezeichnet, „Dead Aid: Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert und was Afrika besser machen kann“. Die Afrikaner wären in der Lage, 98 % ihrer Probleme selber zu lösen (wenn man sie denn ließe). Aus diesem Grund befürwortet Thies Nischenlösungen. Natürlich sind auch technisch anspruchsvollere Brunnen oder schneller Brunnenbau im Katastrophenfall zu befürworten, aber Thies setzt auf handgebohrte Brunnen, die von den Afrikanern selbst ausgehoben werden können und aus Material bestehen, das sie sich selbst besorgen können. Ein versierter Brunnenbauer kann an einem Tag bis zu 20 Meter tief bohren, aus eigener Kraft. Das macht einen Unterschied und es gilt das Motto: „Von Beninern für Beniner“. Es ist so erfolgreich, dass es bereits in Serienproduktion gehen konnte.

Thies zeigte zwei kurze Videos und eine Powerpoint-Präsentation über das Prinzip des Brunnenbaus, der relativ einfach ist. Arne Thies und seine Teams der NGO MIFON („Erwachen“) reisen aber vor allem durch das Land, um die Einheimischen zum Brunnenbau zu motivieren. Das geschieht gemeinschaftsorientiert. Die Bewohner müssen (nach einer Anschubfinanzierung) das Projekt selber tragen. Das sind 0,01 Cent pro Bottich Wasser, der Unterhalt 20 Euro für das ganze Jahr. Das muss erst besprochen werden, denn das schmutzige Wasser ist kostenlos. Die Frauen verstehen das sehr schnell, denn sie sind auf dem oft weiten Weg zur Wasserstelle der Gefahr von Überfällen ausgesetzt. Auch ist die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren sehr hoch aufgrund von Magen- und Darminfektionen. Frauen sind die Zielgruppe für die Genossenschaftskasse, weil sie seriös mit Geld umgehen.

In Absprache mit der Gemeinschaft werden dann die Entscheidungen gefällt. Die Wahl des Ortes für den Brunnen ist besonders wichtig. Der Brunnen zieht auch andere positive Veränderungen nach sich. Neben sauberem Wasser, das einige Wochen nach dem Bau analysiert wird, wenn sich alles gesetzt hat, verbessert das Wasser die Landwirtschaft. Es wird auf kleine Parzellen mit nachhaltigem und ökologischem Anbau gesetzt. Die Brunnenbauer verdienen gutes Geld, es werden immer weitere ausgebildet, so dass die Erfahrung und Professionalität der Beniner wächst.

Das Projekt ist auf sehr gutem Weg, denn es besteht eine Partnerschaft mit dem entsprechenden Ministerium und es wird an der Einbeziehung der Solartechnik getüftelt. Kooperationen bestehen mit der Beniner Universität in Cotonou und der Universität Kiel. Von besonderer Bedeutung ist die Gründung der Beniner Bank CPEC, die z. B. Mikrokredite vergibt und in Anlehnung an die Grameen Bank von Muhammad Yunus arbeitet. „Geschenke lähmen die Eigenständigkeit“, erklärte Thies. Auch bei der PR für die Projekte werden die Beniner mit einbezogen. Besonders die gefilmten Zeugenaussagen der Frauen sind sehr wirkungsvoll und authentisch. Insgesamt benötigt Thies 70.000 Euro für einen Zeitraum von zwei Jahren, um diese gesamte Arbeit fortsetzen zu können.

Der Prinz von Abomey/Benin, Claude Kalume Wa Mudaki Dah Vignon, bedankte sich für die Einladung. Es sei nicht selbstverständlich, dass er als Beniner selbst zu Wort kommen dürfe. Er hat als junger Mann in München studiert und ist dankbar, dass er hier in Deutschland aufgenommen wurde. Er ging noch mal auf die gescheiterte Entwicklungshilfe ein und bedauerte, dass so viele Afrikaner keine Perspektive mehr sähen und sich auf die lebensgefährliche Flucht begäben. Er sprach abschließend von der friedensstiftenden Wirkung des Projekts: „Wenn ich zufrieden bin, bin ich in Frieden mit mir. Und Frieden bedeutet Leben“.
Text: Helga Fitzner

Spendenkonto:
Bonagera e.V. Dr. Arne Thies
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN: DE61 4306 0967 8211 1344 01
BIC: GENODEM1GLS

Nach Eingang der Spende erhalten Sie eine abzugsfähige Spendenquittung.

Weitere Informationen:
BonAgera e.V.
Brunnenbauschule Beninnn

Fotos Benin: Arne Thies
Fotos Benefiz-Dinner: Sonja Grupe


 

Benefiz-Dinner

Pastor Ernest, der Gründer des Vereins FIFON, mit Arne Thies

Benefiz-Dinner

Brunnenbau in Eigenregie

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Pfarrer Hans Mörtter und Restaurantchef Achim Mantscheff bei der Begrüßung

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast derPrinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte vo Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Arne Thies und der Prinz von Abomey/Benin Claude Kalume Wa Mukadi Dah Vignon

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Hans Mörtter und Arne Thies waren guter Dinge

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Arne Thies bei seinem Vortrag über den Brunnenbau im Benin

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Wilfried Schmickler nimmt in seiner Kabarettnummer die Wutbürger aufs Korn

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas Foto: Sonja Grupe

Der Prinz von Abomey/Benin Claude Kalume Wa Mukadi Dah Vignon im Gespräch mit Wilfried Schmickler

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Der Prinz von Abomey fand bewegende Worte

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Freuten sich über den gelungenen Abend: Prinz, Pfarrer und Brunnenbauer

Benefiz-Dinner im Café Ludwig für das Projekt Brunnenbau im Benin von Arne Thies, zu Gast der Prinz von Abomey, Gastgeber: Achim Mantscheff, Pfarrer Hans Mörtter, Köln, Gastauftritte von Wilfried Schmickler, Dieter Bell und seinen Combonistas, Foto: Sonja Grupe

Den musikalischen Rahmen gestalteten Dirk Bell und seine Combonistas