Dr. Anna Quaas

Pfarrerin an der Lutherkirche seit April 2013

Anna Quaas, Pfarrerin an der Lutherkirche, Foto: Timo Belger

"Im Dezember 1978 in Essen geboren und in einer Familie mit drei großen Brüdern aufgewachsen. Nach dem Abitur war ich von 1998-1999 als Freiwillige in Kamerun (Mitarbeit in sozialen Einrichtungen und kirchlichen Entwicklungsprogrammen der Eglise Evangélique du Cameroun).

Von 1999-2005 habe ich in Bethel, Marburg, Buenos Aires und Berlin evangelische Theologie studiert. Nach dem 1. Theologischen Examen im Frühjahr 2005 habe ich für einige Monate als Hospitantin in der Hamburger Redaktion "der überblick" gearbeitet.

Daran schlossen sich das Vikariat in der Evangelischen Tersteegenkirchengemeinde Düsseldorf und eine dreijährige Forschungstätigkeit an der
Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg  an. 2010 habe ich meine Doktorarbeit zu Pfingstkirchen aus Nigeria und deren Verbreitung in Deutschland abgeschlossen.

Im April 2012 bin ich ordiniert worden und war danach als Pastorin im Sondervikariat im Büro des Bevollmächtigen der EKD bei der EU  und in der
Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Brüssel  tätig. Ich interessiere mich für Ökumene, die Verbindung von Kirche und Politik, neue Gottesdienstformen - und freue mich sehr, als Pfarrerin in der Lutherkirche mitarbeiten zu können."

Am 19. Juni 2013 rief Anna Quaas zusammen mit Alida Pisu den Kreis
"Tacheles - Gespräche über Gott und die Welt"   ins Leben.
Artikel über Taufen im Rhein im Sommer 2016

Erntedankgottesdienst mit der KiTa Kartause, Pfarrerin Anna Quaas, Prädikantin Alida Pisu, zu Gast Anne Fuentes von Slow Food Deutschland e. V., Foto: Helga Fitzner

Erntedankgottesdienst 2017
Themengottesdienst mit Pfarrerin Anna Quaas, Prädikantin Alida Pisu, den Kindern der KiTa Kartause und Annegret Fuentes vom Slow Food Deutschland e. V.

Themengottesdienst

Unser Umgang mit Tieren

Themengottesdienst mit der Prädikantin Alida Pisu und der Bio-Bäuerin Katrin Ivanov

Themengottesdienst

"(Un)tragbar Über Menschenrechte und Mode"
Themengottesdienst mit Alida Pisu, Eva-Maria Reinwald und Pfarrerin Anna Quaas

Themengottesdienst

"Der behinderte Gott"
Themengottesdienst mit Alida Pisu und Gästen

Pfarrerin Anna Quaas besuchte Hilfsprojekte in Honduras, Foto: Anna Quaas

Hilfsprojekte in Honduras

Anna Quaas schaute sich vor Ort Projekte der Comisión de Acción Social Menonita an

Anna Quaas mit zwei Mitgestalterinnen. Unsere Presbyterin Alida Pisu hatte die Idee zu dem Themengottesdienst

"Das Tier als Mitgeschöpf"

Erster Themengottesdienst unserer neuen Reihe zum TIERFREI-Tag mit anschließendem veganen Mitessen

"(T)olle Klamotten und saubere Kleidung"

Themengottesdienst über Textilverarbeitung

Studienfahrt nach Brüssel:

"Kirche, Konfession, Politik"

Anna Quaas organisierte die Studienfahrt Brüssel, die im Mai 2014 stattfand.

Pfarrerin Anna Quaas bei Trauung, Foto: urheberrechtlich geschützt

Pfarrerin Anna Quaas bei einer Trauung in der Lutherkirche

Erste Predigt von Anna Quaas an der Lutherkirche am 21. April 2013

Predigt 1. Teil

Meine erste Predigt hier in Köln. Gerade bin ich frisch aus Brüssel hierher gezogen und habe das Umzugschaos mehr oder weniger bewältigt. Viele werden das kennen: Angekommen in der neuen Wohnung – alles durcheinander. Alles voller Kartons, man findet nichts wieder. Dann heißt es die Nerven bewahren, Stück für Stück neu sortieren, nach und nach alles aufbauen, bis wieder Ordnung im Chaos ist. Als Pause zwischen dem Kistenpacken war ich zwischendurch bei IKEA, um noch einige kleine Sachen zu besorgen. Da fiel mein Blick auf eine Werbetafel: „Mit Liebe entworfen, bis ins Detail durchdacht“ stand darauf.

„Mit Liebe entworfen, bis ins Detail durchdacht“ - ein guter Werbeslogan für eine Möbelkollektion. Denn darum geht es ja beim Sich-Neu-Einrichten: Alles möglichst praktisch gestalten und durchdenken - und das gleichzeitig liebevoll, so, dass man sich wohl fühlt. In eine neue Umgebung umziehen, das heißt, ein bisschen wieder bei null anfangen, sich neu einrichten, neu sortieren. Wie Ordnung in das Chaos kommt, wie man sein eigenes Leben neu justieren und sich auf dieser Welt einrichten kann, kann man auf den ersten Seiten der Bibel nachlesen. Denn auf der ersten Seiten der Bibel geht es nicht einfach platt um die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, sondern es geht darum, was Gott mit unserem Leben und mit allem Leben zu tun hat.

Dort heißt es: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Da war die Erde tohuwabohu, Chaos und Wüste, und Finsternis war über der Tiefe. Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht und es wurde Licht. Und Gott sah das Licht, dass es gut war.“

Am Anfang also war Chaos und Wüste, und noch nichts Sinnvolles, so wie meine Wohnung nach dem Umzug oder so wie einem das Chaos des eigenen Lebens manchmal vorkommt. Aber – so kann man lesen – über diesem Chaos schwebt Gottes Geist. Gottes Geist schwebt über dem Unfertigen. Gottes Geist liegt als schützende Kraft über Neuanfängen, Gottes Geist sorgt dafür, dass Licht ins Lebenschaos kommt.Und - so heißt dann auch der dritte Satz der Bibel: „Und Gott sprach: Es werde Licht und es wurde Licht.“

Licht ist das erste, was Gott geschaffen hat. Und Licht meint mehr als nur Helligkeit: In dem Wort Licht schwingt mehr mit: Lebenslicht, heller Glanz, Licht, das ein strahlender Blick verbreitet, Glück. So sendet Gott manchmal Lichtstrahlen in unser Lebenschaos, einfach so, aus dem Nichts. Gott spricht: Es werde Licht und plötzlich wird Licht. Und Gott sieht, dass das Licht, das er geschickt hat, gut war, dass es ermutigt und aufbaut, neue Tatkraft schenkt.

Danach - so steht am Beginn der Bibel weiter - entstehen Meer und Land, Sonne, Mond und Sterne, Gras und Bäume, Samen und Früchte, Vögel, Walfische und kleine Fische, Würmer und Tiere - alle nach ihrer Art. Von allem heißt es „Gott sprach: Es werde – und es ward“, auf geheimnisvolle Weise, ohne dass man letztlich erklären kann, warum es so völlig unterschiedliche Tiere und Pflanzen gibt, so unglaublich viele Farben, so Faszinierendes wie Sonne, Wärme und Wind. Aber eins wissen wir: Gott wollte es so. Bäume, Vögel, Fische und Tiere – alle hat Gott nach ihrer Art geschaffen.

Dann scheint Gottes Schöpferwerk für einen Moment still zu stehen. Die Welt hält den Atem an. Das übliche Regelwerk setzt aus. Die Routine wird unterbrochen und es heißt: Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. - Gott sprach: Lasst uns Menschen machen: Es ist viel gerätselt worden, warum ausgerechnet dieser Satz im Plural steht und so abgehoben ist vom Rest der Erzählung. Besonders geistreich und nachdenkenswert dazu finde ich eine Auslegung, die aus der jüdischen Tradition stammt. Vor der Erschaffung des Menschen hätte es im Himmel eine größere Diskussion gegeben, eine Art Beratung zwischen Gott und seinem himmlischen Hofstaat, den Engeln, in etwa so: 1* Soll das jetzt tatsächlich noch weiter gehen? Bis jetzt war die Schöpfung gut: Meer, Tiere, Pflanzen. Aber nun noch so ein zwiespältiges Geschöpf wie der Mensch. Ist das gut? Einige Engel, so die Phantasie der Ausleger weiter, wären gegen die Erschaffung des Menschen gewesen und hätten argumentiert: „Mit den Menschen kommen Lügen und Unwahrhaftigkeit in die Welt. Kein anderes Wesen ist zu solchen Grausamkeiten fähig wie der Mensch.“ Andere Engel aber hätten gesagt: „Der Mensch ist wie kein anderes Wesen zur Liebe fähig. Kein anderes Geschöpf kann so gut wie der Mensch für Recht und Gerechtigkeit sorgen.“ Diese kontroverse Diskussion vor der Erschaffung des Menschen steht natürlich nicht in der Bibel. Aber es ist viel dran, denn beides erlebt man, wenn man mit Menschen zu tun hat: Negatives und Zerstörerisches ebenso wie unglaublich Liebevolles und Aufbauendes.  

Predigt: 2. Teil

Klar ist: Gott wollte den Menschen so. „Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich“, war sein Machtwort.  Wenig niedriger als sich selbst hat Gott den Menschen gemacht, als sein Ebenbild, als Geschöpf, das ihm ähnlich ist. Mit der Erschaffung des Menschen hat sich Gott weit aus dem Fenster gelehnt. Er hat ihm Macht gegeben, die vorher nur Gott selbst hatte: Macht, das Geschick anderer Menschen und der Welt zu lenken, Macht über Leben und Tod. Zu den Menschen heißt es in der Schöpfungsgeschichte: "Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen. Und Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbild, im Ebenbild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde und macht sie euch untertan. Und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen."

Gott hat uns Menschen Verantwortung gegeben. Gott wollte uns als echte Gegenüber, als ebenbürtige Partnerinnen und Partner, denen man etwas zutrauen kann. An zwei Stellen wird die Anleitung Gottes, wie wir uns als Menschen auf der Erde einrichten sollen, ganz konkret: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbild.“ Wir sind Ebenbilder Gottes und wir sollen einander auch so ansehen, auch und gerade, wenn wir unterschiedlich sind: Als Mann und Frau oder als Menschen, deren Gesinnung wir beim besten Willen nicht teilen können.

Faszinierend finde ich den Gedanken, dass Menschen unterschiedlicher Religionen als Gottes Ebenbilder angesehen werden. Denn vom Glauben oder Nicht-Glauben ist im Schöpfungsbericht keine Rede. Gott begegnet nicht nur in Menschen, die uns nahe stehen, sondern auch in solchen, die uns in ihrer Art oder Überzeugung völlig fremd sind. 1* Und als zweites heißt es: Seid fruchtbar und mehret euch. Menschliche Begegnungen sollen fruchtbar sein. Fruchtbar, ja auch im wörtlichen Sinne: Männer und Frauen sollen gerne und zuversichtlich miteinander Kinder in die Welt setzen. Aber nicht nur um Fruchtbarkeit im wörtlichen Sinn geht es: Auch im übertragenen Sinne soll, wie wir Menschen überhaupt  miteinander umgehen, auf Zukunft ausgerichtet sein. Wir sollen für gedeihliches Miteinander sorgen. Wir sollen Unterschiedlichkeit, nicht nur die zwischen Mann und Frau, sondern auch die zwischen Religionen und Gesinnungen, produktiv nutzen. „Seid fruchtbar, ihr Menschen“, hat Gott uns aufgetragen: „Handelt auf Zukunft hin ausgerichtet.“

Was das konkret bedeutet, war z. B. bei meinem allerersten Gottesdienstbesuch vor einem guten Monat hier in der Lutherkirche Thema. Da ging es um den horrenden Konsum von Plastik und die Vermüllung der Meere. 2* Für ein fruchtbares Miteinander zu sorgen, heißt manchmal auch zu verzichten und sich z. B. den Einkauf nicht in eine Plastiktüte packen zu lassen. Oder es heißt, sich konsequenter für Klimaschutz einzusetzen als zum Beispiel in der vergangenen Woche in Brüssel bzw. Straßburg geschehen. 3*

Mit der Erschaffung des Menschen in seiner Zwiespältigkeit ist die Schöpfung aber Gott sei Dank noch nicht abgeschlossen. Es geht weiter: „So wurden der Himmel und die Erde und all ihr Heer vollendet. Und Gott hatte am siebten Tag sein Werk vollendet, das er gemacht hatte. Und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das er geschaffen und gemacht hatte. Dies ist die Entstehungsgeschichte des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden.“

Am Ende steht die Ruhe. Die Ruhe und das Feiern, in das alles mündet. Am Anfang das Chaos, in das Gottes Lichtstrahl fällt und am Ende die Ruhe. Das zufriedene Betrachten des Geschafften, das Vertrauen, dass alles gut ist. Am Ende steht das Feiern, die Freude am Leben und die Gewissheit, dass Gott uns trotz allem Rätselhaften ansieht und sagt: „Du bist sehr gut.“
Mit meinem Umzug und immer wieder, wenn das Lebenschaos, das Tohuwabohu, auf uns einbricht, werden wir auf 0 gesetzt, müssen wir das Leben neu sortieren. In dieses Chaos hinein spricht Gott: Es werde Licht und sagt uns in etwa das, was ich mitten im Umzugschaos auf dem IKEA- Plakat gelesen habe: „Komme, was wolle, ich, Gott, habe einen Plan und einen Auftrag für Dich. Ich habe dich mit Liebe entworfen und ich habe dein Leben bis ins Detail durchdacht.“
Amen

1* Vgl. epd-Dokumentation Nr.12 (19.3.2013) „Reformation und Toleranz – ein Paar par force?, S. 27
2* lutherkirche-koeln.de/Plastikmuell_im_Meer.aspx
3* Am 16.4.2013 ist die Abstimmung im Europäischen Parlament in Straßburg über eine Reform des Handels mit Emissionsscheinen gescheitert, eine vertane Chance für den Klimaschutz.

Pastor Samuel Jegede als Gastprediger mit seiner Frau Heike am 15. September 2013. Er kommt aus Hamburg und ist der Deutschlandkoordinator der Redeemed Christian Church of God, die ihren Hauptsitz in Nigeria hat, Foto: Helga Fitzner

Pastor Samuel Jegede als Gastprediger mit seiner Frau Heike am 15. September 2013. Er kommt aus Hamburg und ist der Deutschlandkoordinator der Redeemed Christian Church of God, die ihren Hauptsitz in Nigeria hat.

Pastor Samuel Jegede als Gastprediger mit Pfarrerin Anna Quaas und seiner Frau Heike am 15. September 2013. Er kommt aus Hamburg und ist der Deutschlandkoordinator der Redeemed Christian Church of God, die ihren Hauptsitz in Nigeria hat., Foto: Helga Fitzner

Munterer Gottesdienst: Anna Quaas mit Samuel und Heike Jegede