Interview mit unserem Kantor Thomas Frerichs
Gedanken zu Martin Luther und der Kirchenmusik
Frage
Warum ist Musik ein so wichtiger Bestandteil von Gottesdiensten?
Thomas Frerichs
Musik ist aus den Gottesdiensten nicht wegzudenken. Denn Musik und (Gemeinde-)Gesang waren immer schon Verkündigung und Ausdruck von Glaubenserfahrungen und stärken damit die Gemeinschaft der Gottesdienstgemeinde. In den Psalmen gibt es die Stelle: Lobet Gott mit Pauken, Trompeten, Psalmen, „Keyboards“ und „Waschbrettern“... All das ist eine Form der Äußerung zum Lobe Gottes, aber es ist auch eine Ausdrucksform derjenigen, die da musizieren und singen.
Frage
Die Musik aus alten Zeiten wird manchmal als sehr schwer empfunden. Wird sie deshalb immer wieder modernisiert?
Thomas Frerichs
Klar. Die alten „Jazzer“ hätte ich fast gesagt, die mittelalterlichen Kompositionen, sind rhythmisch sehr komplex. Aber dann kam die Pietistische Bewegung im 19. Jahrhundert, die aus mittelalterlichen, rhythmisch komplizierten Vorlagen etwas sehr Planes und sehr Ebenes gemacht hat. Das ist es genau genommen, was wir heute als „alte Musik“ empfinden. Es ist in der Musikgeschichte häufig vorgekommen, dass Melodien begradigt wurden, vor allem im Rhythmus. Auch bei Bach war das selbstverständlich. Bei „Nun danket alle Gott“ stehen im Gesangbuch zwei Fassungen. Bei „Eine feste Burg ist unser Gott“ ist es noch auffälliger. Es ist ein lutherisches Lied, das im Original und in moderner Fassung abgedruckt ist. So spiegeln die Bearbeitungen das Zeitgefühl der jeweiligen Ära wider.
Frage
Kommt die klassische Kirchenmusik an der Lutherkirche zu kurz?
Thomas Frerichs
Möglicherweise empfinden das einige so. Aber wir haben den klassischen Lutherchor, der auch Choräle, Kantaten und Messen singt und in Gottesdiensten und Konzerten auftritt. - In der klassischen Kirchenmusik kommen zwei Formen vor: Es gibt Choräle und die gesungenen Bibeltexte. Das gibt es auch in der Moderne: Das sind die Songs und Popmessen. Es ist eine Frage von Zeitgeist, was einem liegt. Das liegt an mir selber, ob ich empfinde: Das ist ein so tolles Werk und das berührt mich musikalisch und obendrein singe ich auch noch einen Verkündigungstext, und das gibt mir so viel, dass ich das irgendwie als Spiritualität nutzen kann. Oder aber man empfindet das nicht so.